Getarnter Zentralstaat

Die aktuelle Diskussion um „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ und Bildungsgipfel haben wieder einmal eines gezeigt, die Ordnungspolitik hat in der Bundesrepublik bereits vor Jahrzehnten versagt. Die erste große Koalition hatte bereits 1969 Hochschulbildung als gemeinschaftliche Aufgabe mit in das Finanzreformgesetz  1 aufgenommen und darüber hinaus dem Bund die Erhebungsgewalt über alle Steuern verliehen deren Aufkommen ihm mindestens zum Teil zusteht. Erkauft wurde diese Zustimmung mit dem Art. 105 Abs. 2a des GG. 2 Dieser weist den Ländern ein Mitspracherecht in allen Steuern zu die ihnen zum Teil zu Gute kommen.

Auf der einen Seite hat diese Ebenenverschränkung mehr politische Stabilität gebracht. Gerade die kleinen einnahmenschwachen Länder profitierten überdurchschnittlich von dieser Regelung. Zusammen mit dem vereinbarten Länderfinanzausgleich sicherte diese das wirtschaftliche Überleben dieser Länder. Gleichzeitig wurde dem dirigistischen Zeitgeist genüge getan und der Einfluss des Bundes auf Vorhaben der Länder gestärkt.  3

Damit ging aber auch eine finanzielle Verpflichtung des Bundes bei Vorhaben der Länder einher. Konnte sich ein Land ein bestimmtes Projekt nicht leisten kann es Bundesmittel dafür beantragen, ganz im Sinne einer Wirtschaftsförderung mit der Gießkanne oder für die vielzitierten Leuchttürme. Ein Land oder eine Kommune musste nun nicht mehr aus eigener Kraft solide finanziert sein, bei Bedarf erschloss man einfach neue Fördertöpfe via Bundesratseinfluss. Warum sonst haben fast alle westdeutschen Gemeinden ein eigenes Hallenbad aus den siebziger Jahren?

Der Bund macht sich mit dieser Regelung aber auch vom Wohlwollen der Landesregierungen abhängig, ein Umbau des Steuersystems wird damit de facto unmöglich. Gleichzeitig verliert der Bund das was er so hochtrabend „Gestaltungsspielraum“ nennt, schließlich darf die Gestaltung keinem einzigen Vertreter der Partikularinteressen wehtun oder die nächste Landtagswahl gefährden.

Bund und Länder blockieren sich so effektiv gegenseitig immer wieder. 4 Die letzte Föderalismusreform hat zwar den Rückzug des Bundes aus der Bildung bewirkt, seine finanziellen Verpflichtungen ist er damit aber immer noch nicht los und der Einfluss der Länder hat sich ebenfalls nicht verringert. Unabhängig von den jeweils regierenden Koalitionen in Bund und Ländern kommt es so zu einem strukturellen Interessengegensatz der nicht aufgelöst werden kann von der aktuellen Verfassung.

Eine Möglichkeit wäre die Steuererhebung wieder an das Aufkommen zu binden und den horizontalen Finanzausgleich abzuschaffen. Dann müssten die jeweiligen Gebietskörperschaften, selbst sehen wie sie die Aufgaben finanzieren die in ihren Regionen anfallen. Alle Aufgaben die durch Bundesgesetze entstehen müssten dann im Gegenzug auch voll durch den Bund finanziert werden. Die aktuelle Mischfinanzierung der „Hartz IV“-Leistungen ist ein besonders gutes Beispiel für unpraktische Politik. 5

Dann können Bund und Länder wieder selbstbestimmt sich auf die Aufgaben konzentrieren die ihnen qua Gesetz zugewiesen werden. Der Bund auf die Außen- und Sicherheitspolitik sowie den gesetzlichen Handlungsrahmen für eine freie Marktwirtschaft, die Länder auf Innenpolitik und Bildung, die Kommunen auf soziale Sicherung und regionale Entwicklungspolitik. Damit würde man dann auch dem Subsidiaritätsgebot des Grundgesetzes wieder gerecht werden anstatt es durch widersinnige Finanzierungsregeln und unklare Zuständigkeiten ständig zu unterlaufen.

  1. Einundzwanzigstes Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 12.Mai 1969
  2. Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im PDF-Format
  3. Einsichten und Perspektiven 1/2007: Große Koalitionen
  4. So sieht aus aus Schweizer Sicht aus: Denken für die Freiheit: Experiment mit Vorbildwirkung
  5. Aktuell werden die Kosten für Hartz IV vom Bund nach Bedarfsgemeinschaften ermittelt und getragen, die Kommunen müssen aber real mehr zahlen wenn die Ansprüche auf Wohngeld und Miete durch höhere Lebenshaltungskosten steigen.

Wider den Informationsoverkill

Mit meiner neuen Leidenschaft für das eigene Blog geht eine weitere einher, Blogs und RSS-Feeds lesen. Ich muss zugeben das ich nicht mehr weiß wie ich bisher auf diese Lektüre verzichten konnte. Vor allem so Randthemen wie Selbstorganisation oder das neueste Geek-Gadget kann man mit einem RSS-Reader immer gut im Blick halten auch wenn das dann zu den unwichtigen und nicht dringenden Aufgaben gehört.

Mit steigender Anzahl an Datenquellen tut sich ein Problem auf das jeder Historiker irgendwie kennt, zu viele Quellen schaden mehr als sie nützen denn sie kosten Zeit, verstellen den Blick auf das Wesentliche und vor allem langweilen uninteressante Sachen vor allem Menschen wie mich zu Tode. Und das manuelle Löschen wird ebenso schnell aufgegeben wie die das Lesen der Artikel die einen eigentlich interessieren weil der Reader innerhalb von Tagen überquillt.

Man kann ein paar Regeln beachten um den Datenwust so überschaubar wie möglich zu halten.

  1. Nur die Posts der letzten 3 Tage pro Feed speichern lassen.
  2. Alles was einen auf den ersten Blick nicht interessiert: löschen! löschen! löschen!
  3. Die Feeds die man abonniert hat sinnvoll und nach einem System ordnen. Welchem System man dabei folgt ist vollkommen egal. Hauptsache man hat überhaupt eins. Und nein, die automatische alphabetische Reihenfolge im Reader ist kein System!
  4. Dinge die man später lesen will bookmarken und dann später lesen. Dabei sollte man sich jedoch wirklich auf Dinge beschränken für die man jetzt keine Zeit hat oder die man beim ersten Überfliegen nicht verstanden hat aber gern verstanden hätte.
  5. Möglichst Feeds mit einem langen Horizont abonnieren, Blogs, Kolumnen oder Magazine eignen sich besser als Tageszeitungen und News. Auch wenn es Newsfeeds heißt eignen sich RSS-Feeds eher zur Sammlung langfristiger Dinge denn der letzten Meldung aus dem Dschungelcamp.
    Eine weitere Möglichkeit die Feeds bereits vorher zu filtern bietet Yahoo Pipes. Dieser News-Aggregator sammelt die Feeds und filtert sie nach bestimmten Stichwörtern. Die dahinter stehende Engine ist jedoch sehr umfangreich, mal eben schnell ist das nicht eingerichtet. die c’t hat diesem Thema bereits einen Artikel gewidmet, dieser schießt jedoch für den Otto-Normalverbraucher schnell über das Ziel hinaus und ist zudem für den nicht Abonnenten noch kostenpflichtig. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit und mit regelmäßiger Pflege der Quellen kann man damit schon fast alle unerwünschten Elemente Ausfiltern. ( Solche sinnlosen Sachen wie Fußball-Bundesliga zum Beispiel. )

Trotzdem kann einen der Wissensdurst noch vor so einige Hürden stellen. Was machen wenn ich keinen Internetzugang habe, vielleicht weil mein Arbeitgeber nur Email erlaubt. Entweder man hat ein Smartphone mit Internetflatrate und der richtigen Software oder man muss sich eine andere Lösung überlegen. Naheliegend wäre in dem Moment  der Empfang per Mail. RSS2PDF generiert zwar aus Feeds pdf-Dateien verschickt sie aber nicht automatische per Mail. Den Dienst kann man dann auch mit einer Pipe füttern, hat dann die PDF auf dem Rechner und kann die Mittagspause quasi produktiv für die eigene  Persönlichkeitsbildung nutzen. Der Nachteil des ganzen ist recht schnell erkannt, morgens nochmal schnell das pdf generiert und verschickt, und dann stellt das Lieblingsblog genau eine halbe Stunde später den tollen neuen Artikel ein den man dann natürlich verpasst.

Aber auch dafür gibt es eine Lösung:Tabbloid

Der kostenlose Webdienst generiert aus den eigenen Feeds, optional eben eine Yahoo Pipe eine eigene Zeitung die dann automatisch an eine Mailadresse verschickt wird. Mehr lässt sich zu dem Dienst auch nicht mehr sagen, einfach einrichten und Spaß haben. Und wenn die eigene Zeitung dann noch Rubriken haben soll eben dementsprechende Pipes bauen. Vielleicht erkläre ich deren Aufbau ja in einem anderen Artikel.


Und täglich grüßt die Verlockung wichtig Dinge aufzuschieben, nicht zu erledigen oder schlicht auszusitzen. Spätestens wenn die Wohnung stets blitzt und das Auto 3 Mal in der Woche gewaschen wird sollte man sich fragen ob man prokrastiniert.

Wer es noch nicht weiß, Prokrastination bezeichnet das Verhalten unwichtige Dinge zu tun um wichtige Dinge aufzuschieben. Es ist vor allem ein Phänomen das internetaffine Menschen betrifft, die an ihrem Arbeitsplatz einen Internetzugang besitzen. Dann wird “getwittert”, bei Facebook mal die Kommentare gecheckt und eben mal schnell noch der RSS-Reader geprüft oder doch nochmal “kurz” im Lieblingsforum vorbei geschaut. So kann man locker ein oder zwei Stunden mit organisiertem Selbstbetrug verbringen. Das sieht dann ungefähr so aus wie hier.

Es gibt jedoch auch Hilfe zur Selbsthilfe. Aktuell versuche ich es mit folgendem Modell vom “Dumb Little Man”.

Menschen die viele kleinere Aufgaben nebeneinander her zu erledigen haben stehen oft vor dem Problem einer adäquaten Reihung dieser Aufgaben. Schnell wachsen die kleinen Aufgaben dann zu einem Berg an  den man nicht mehr zu bezwingen glaubt. Menschen mit vollen Schreibtischen kennen dieses Problem sicher.

Die Lösung ist relativ einfach:Man muss sich ein System schaffen mit dem man die Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit einteilen kann. Dafür schafft man 4 Quadranten.

  • Der erste Quadrant beinhaltet die wichtigen und dringenden Aufgaben.

    Bsp.: Die morgen fällige Abschlussarbeit

  • Der zweite Quadrant bekommt alle wichtigen aber nicht dringenden Aufgaben

    Bsp.: Die Doktorarbeit die irgendwann mal fertig werden muss aber keinen Termin hat.

  • Im dritten Quadranten findet man alle dringenden aber nicht wichtigen Aufgaben

    Bsp.: Das LAN-Kabel im Flur das meine Freundin stört. Es ist nicht wirklich wichtig aber dringend um ihre Geduld nicht zu sehr strapazieren.

  • in den vierten kommt der ganze Rest,  nicht wichtig und nicht dringend.

    Bsp.:  Sich ein neues Handy anzuschauen.

Entscheidend ist jedoch nicht nur die Einordnung sondern vor allem die Herangehensweise an die Erledigung.

1.Alle wichtigen aber nicht dringenden Dinge sollten stets so erledigt werdend das sie NIE ich wiederhole NIE dringend werden.

2. Beginne den Tag mit einer wichtigen aber nicht dringenden Aufgabe, zum Beispiel einen Artikel für die Doktorarbeit lesen oder den einen Blogartikel verfassen den man schon immer mal verfassen wollte.

3. Versuche herauszufinden zu finden was wichtig ist. Je mehr Aufgaben im vierten Quadranten landen umso besser.

 

Insgesamt gilt: Klotzen nicht kleckern. Lieber mit viel Anstrengung ein Projekt am Stück bearbeiten als mal so eben fünf nebeneinander. Wenn man dann einzelne Projekt abschließen kann zieht man daraus die Befriedigung und die Kraft für das nächste Projekt. Wer es dann noch schafft sich konsequent Deadlines für Teilschritte zu setzen der hat schon den halben Weg zu einem entspannten Arbeitstage beschritten. Viel Erfolg dabei!



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