Der Tag heute begann schon wieder mit Nachrichten bei denen man nicht weiß ob man lachen oder heulen soll. Ein ehemaliges Mitglied des Bundeswehrplanungsstabes forderte den Abzug der Truppen aus Afghanistan innerhalb der nächsten 2 Jahre. Während es nun Spekulation bleibt ob diese Äußerung nun Wahlkampftaktik oder unschönes Nachtreten gegen einen ehemaligen Arbeitgeber ist stellt sich jedem taktisch und strategisch halbwegs gebildetem Menschen die Frage nach dem Warum eines schnellen Abzuges. Auch die Äußerung des ehemaligen UN-Sondergesandten für Afghanistan, dass ein Krieg in dem  von Korruption und organisierter Kriminalität zerrissenem Land nicht zu gewinnen sei lässt die gleichen Fragen offen. Lachen musste ich dann doch als die Forderung nach Verhandlungen mit den Taliban genannt wurde.

Das erinnerte mich an eine Episode aus meiner Zeit in Dresden, während der Ausbildung dort besuchten wir einen Vortrag eines “Islamexperten”.  Dieser forderte ebenfalls die Verhandlungen mit gemäßigten Islamisten [sic!] um die Integration voranzubringen. Auf meine Frage welches Interesse denn ein Islamist an Verhandlungen haben sollte wenn er die westlichen Werte so strikt ablehnt wusste er keine Antwort und brach im nächsten Moment die Podiumsdiskussion ab…

Erstens: Verhandlungen mit den Taliban sind gleichzusetzen mit Verhandlungen mit Bankräubern, Dealern, Geiselnehmern Vergewaltigern und Mördern. Wer ist denn die treibende Kraft hinter dem Drogenhandel in Afghanistan, Wer ist denn der Nutznießer der Piraterie am Horn von Afrika? Welcher Politiker würde derartige Verhandlungen in Deutschland ernsthaft fordern? Niemand! Die Gründe dafür liegen wohl auf der Hand.

Zweitens: Zwingen uns nicht gerade diese Zustände dazu den Einsatz fortzuführen, die Anstrengungen sogar noch zu verstärken? Haben die Afghanen ein geringeres Recht auf internationale Hilfe als Deutschland als es von der Diktatur befreit werden musste? Ich denke nicht das die afghanische Bevölkerung dem Einsatz skeptisch gegenüber steht sondern das sie eher enttäuscht sind das wir uns in den Feldlagern verstecken und uns nur ab und an mal mit ein paar Fahrzeugen und Soldaten raus trauen.

Drittens sind diese Zustände in diesem Land doch erst durch internationale Politik entstanden, nicht aufgrund der politischen Unfähigkeit der Afghanen. Das sich die Situation seit 2001 nicht verändert hat kann auch nur jemand behaupten dessen einzige Informationsquelle eine Landkarte ist. Jetzt über Abzug zu sprechen würde nur alle bereits geleisteten Anstrengungen zunichte machen und vor allem den Afghanen die Hoffnung nehmen.

Viertens vermag man als geschickter Rhetoriker/Demagoge eine angebliche Völkerrechtswidrigkeit des Einsatzes herleiten können, eine rationale Grundlage warum dieser Einsatz völkerrechtswidrig sein soll wird man dennoch vergeblich in den Mandaten des Bundestages und der UN suchen. Viel mehr ist es menschenverachtend ( lies die Menschenrechte außer acht lassend) den Taliban in Afghanistan auch nur ein Quäntchen Mitspracherecht einzuräumen. Jede Nation die das afghanische Volk in seiner aktuellen Lage allein lässt macht sich mittelbar mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen in diesem Land.

Niemand in Deutschland kann doch ernsthaft glauben das ein Abzug, in welcher Weise er auch geschehen mag, sinnvoll ist. Pazifistische Rhetorik und Appeasement haben bereits gegenüber der letzen politischen Religion versagt warum sollte es diesmal anders sein?


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