Der Mittelstandsbauch

In Wahlkampfzeiten wird oft vom Abschneiden des Mittelstandsbauches gesprochen. Was ist dieser Mittelstandsbauch eigentlich? Es ist definitiv keine Ansammlung von überzähligen Kalorien in der Körpermitte und das Abschneiden des Mittelstandsbauches kein gigantisches Fitnessprogram.

Der Mittelstandsbauch entsteht durch die sogenannte Steuerprogression. In Deutschland richtet sich die Höhe des Steuersatzes nach dem zu versteuernden Einkommen. Mit steigender Einkommenshöhe steigt auch der Steuersatz. Sinn dieser Progression ist eine möglichst gerechte Verteilung von Einkommensunterschieden, wer mehr verdient gibt auch mehr ab. Dafür ist es jedoch entscheidend wie die Progression gestaltet wird. In Deutschland steigt der Steuersatz zwischen 7.664 € und 12.739 € besonders stark an. Erst darüberhinaus flacht der Anstieg ab und die Belastung wächst moderat mit dem Einkommen. ( Quelle: INSM.de) Für den Durchschnittsverdiener weniger interessant ist wohl der Spitzensteuersatz ab einem Einkommen von 52.152 € und die Zusatzbesteuerung ab 250.000 € Jahreseinkommen.

Die Zone des starken Anstieges wird gemeinhin als Mittelstandsbauch bezeichnet. Würde man jetzt die Jahreseinkommenswerte auf das Monatseinkommen umrechnen ergibt sich ein besonders belasteter Bereich zwischen 633€ und 1062€ monatlich. Dabei ist jedoch zu beachten das dass zu versteuernde Einkommen erst nach Abzug aller steuermindernder Faktoren bestimmt. Eine Auflistung aller Faktoren findet sich hier. Vor allem Einkommen zwischen 1.500 und 3.000 € Brutto sind dementsprechend hoch belastet, natürlich abhängig von den Lebensumständen des Einzelnen.

Ein Abschneiden des Mittelstandsbauches durch die Einführung eines linearen Tarifes ( Hier beschrieben) würde den Haushalt mit 25,2 Mrd € belasten, daraus lässt sich ablesen wie wahrscheinlich eine umfassende Steuerreform ist. Wichtiger ist jedoch aus meiner Sicht eine andere Schlussfolgerung: Vor allem diejenigen die “normal” verdienen werden am stärksten belastet. Ein finanzieller Aufstieg geht immer einher mit einer höheren steuerlichen Belastung was zusammen mit steigenden Lebenshaltungskosten die reale Kaufkraft des Einzelnen stark belastet. Allein die geringe Inflation, verursacht durch sinkende Energiekosten und Mieten, mildert den Effekt im Moment ab, steigende Beiträge zu Renten- und Krankenversicherung werden den positiven Effekt binnen kürzester Zeit jedoch wieder auffressen.

Die von der CDU propagierte Senkung des Eingangssteuersatzes würde zwar die Belastung der niedrigen Einkommen senken, in der Konsequenz jedoch den Anstieg bei steigendem Einkommen noch verstärken. Die sozialen Unterschiede würden dadurch noch zementiert werden, jede Einkommenserhöhung trägt die Gefahr eines sinkenden Realeinkommens in sich.

Das Abschneiden des Mittelstandsbauches wäre wohl doch ein gigantisches Fitnessprogramm, es würde die tragende Säule der Gesellschaft massiv entlasten und so den Weg für mehr Binnenkonsum und selbstragendes Wachstum frei machen. Und vor allem würde es den sozialen Aufstieg des Einzelnen wieder lohnenswert machen.


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Privatkredite als Lösung für die Kreditklemme?

 

Vor allem in den Ländern der dritten Welt und den Schwellenländern erfreuen sich Mikrokredite steigender Beliebtheit. Spätestens seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Mohammed Yunus im Jahre 2006 sind diese Kleinkredite auch einer breiteren Öffentlichkeit in der ersten Welt bekannt. Es handelt sich dabei um Kredite an Kleinstunternehmer mit Beträgen zwischen 50 und 1000 Dollar. Diese Kredite werden vor allem an Frauen vergeben weil sie als vertrauenswürdigere Kreditnehmer gelten und höhere Rückzahlungsraten vorweisen können. Aber auch der Jim Carrey Film “Der Ja-Sager” bezieht sich auf diese Kleinkredite, der Hauptdarsteller wird aufgrund seines Mutes derartigen Kreditanträgen zuzustimmen befördert. Die Rückzahlungsquote ist im Allgemeinen sehr hoch, weit über 95% der Kreditnehmer zahlen ihre Raten pünktlich. Gerade in Zeiten der Krise können andere Banken von derartigen Quoten nur träumen.

Altes Prinzip – neuer Name

Die kleinen Kreditbeträge werden dabei entweder von lokalen Geldgebern oder von eigens dazu eingerichteten Finanzinstituten vergeben, reguläre Banken scheuen den hohen Arbeitsaufwand im Vergleich zur erwarteten Rendite. Die Kreditnehmer sind vor allem Menschen die bei normalen Banken aufgrund fehlender Sicherheiten oder auch schlicht fehlender Bankeninfrastruktur keine Kredite bekommen können.

Die fehlenden üblichen Sicherheiten werden hier durch die Nähe zwischen Kreditgeber und –nehmer ausgeglichen sowie die Möglichkeit zur Genossenschaftsbildung. Mehrere Kreditnehmer schließen sich zusammen und bürgen wechselseitig für den Kredit.

Dieser Genossenschaftsgendanke ist jedoch nicht so neu wie es den Anschein haben mag. bereits im 19. Jahrhundert etablierte sich in deutschen Dörfern das Raiffeisen-Prinzip, Bauern und Handwerker gründeten Genossenschaftsbanken die dann Saatgut und Rohstoffe überhaupt erst beziehen konnten weil sie kreditwürdig waren. Ein ähnliches Instrument waren die von Hermann Schulze-Delitzsch gegründeten Genossenschaften und Konsumvereine.

Damit wurde vor allem in der Zeit der Industrialisierung der steigende Kapitalbedarf der Handwerker und Bauern gedeckt. Dieses Prinzip griff Yunus mit seiner Grameen Bank wieder auf und legte damit auf unterster Ebene ohne zentrale Institutionen einen Grundstein für den wirtschaftlichen Aufstieg der Schwellenländer in den letzten 30 Jahren.

Privatkredite als Form der Mikrokredite

In den letzten Jahren konnten Internet-Plattformen wie smava.de und auxmoney.de immer mehr Kunden von ihrem Geschäftsmodell überzeugen. Diese Privatkreditplattformen vermitteln Kredite zwischen privaten Geldgebern und Kreditnehmern, dabei kann es sich bei dem Kreditnehmer durchaus auch um ein Unternehmen handeln. Die Plattformen prüfen dabei die Bonität der Kreditnehmer und erheben je nachdem einen Risikoaufschlag für die Vermittlung des Kredites. smava.de bietet dabei deutlich mehr Sicherheit, die Geldgeber zahlen in einen Pool aus Krediten ein, das Ausfallrisiko wird also auf mehrere Kredite und Geldgeber verteilt, das klassische Genossenschaftsprinzip eben. Dafür sind bei auxmoney.de die erzielbaren Renditen durchaus im zweistelligen Bereich, hier ist das Risiko eines Totalausfalles jedoch dementsprechend höher, die höhere Rendite ist also ein Risikozuschlag.

Diese Privatkredite bieten die Möglichkeit schnell und unkompliziert an liquides Kapital heranzukommen, sei es für die Badrenovierung oder die Finanzierung eines Fernstudiums bzw. Promotionsvorhabens. Es werden aber auch Betriebsmittelkredite vermittelt.( Beispiel dafür beim DLF)

Den Anlegern bietet sich dagegen die Möglichkeit ihr ihr Kapital zu einem Zinssatz von mehr als 5% anzulegen, Rendite von der sie ansonsten fast nur noch träumen können. Des Weiteren können auch kleine Beiträge angelegt werden, die Kreditsumme wird nicht nur von einem Geldgeber aufgebracht.

Ein Risiko stellt hier der fehlende soziale Kontakt zwischen Geldgeber und Kreditnehmer dar, dieses Risiko muss die Plattform durch geeignete Maßnahmen minimieren. Die einzelnen Anbieter setzen dabei auf Selbstauskunft, SCHUFA-Ratings und eigene Zertifizierungen. Der Anleger muss auch hier im Einzelfall entscheiden wem er sein Vertrauen schenkt.

Fazit

Die Privatkredite können gerade in den Zeiten der Kreditklemme eine Chance sein Kapitalbeschaffung von kleinen Unternehmen und Privatpersonen zu vereinfachen. Durch die direkte Vermittlung werden auch die Kreditkosten gesenkt und die Rendite erhöht. Gleichzeitig ist das Risiko eines Ausfalles aber immer noch höher als bei einer Festgeldanlage. Die Privatkredite könnten jedoch auf einer niedrigen Ebene das Bankensystem wirksam ergänzen und Kapitalanlage und Beschaffung um eine Möglichkeit bereichern.


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