Das Streben nach Glück

 

“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness” 1

Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika sieht es als unveräußerliches Recht an, dass jeder Mensch nach seinem Glück streben kann. In dem Film „Das Streben nach Glück“ mit Will Smith wird deutlich wie man dieses Streben verstehen sollte: Der Hauptcharakter steht vor den Scherben seines Lebens und kann sich dann durch harte Arbeit sein eigenes Glück erarbeiten. Vorher muss er aber mit seinem Sohn in Obdachlosenwohnheimen und auf der Straße unterkommen. Die harte Arbeit und seine Selbstdisziplin bringen ihn schließlich weiter als je erträumt. Ziehen wir mal Pathos und Patriotismus ab bleibt die Grundaussage dennoch die gleiche: Harte Arbeit, vor allem an sich selbst, kann einen Menschen überall hin bringen.

In seiner extremsten Ausprägung unterstellt dieser Ansatz, dass der Hauptzweck von Organisationen, besonders der Wirtschaftsunternehmen, darin bestehe die für sie arbeitenden Menschen zufrieden zu machen […]Diese Denkweise hat viele Wurzeln. Ihre stärkste ist eine Folge der Auffassung, der Staat oder die Gesellschaft seien für das Wohlergehen der Menschen zuständig und verantwortlich, eine der dominierenden Ideen des 20. Jahrhunderts – und auch ein Jahrhundertirrtum weil sie, auch wenn das immer wieder bestritten wird – entweder ´zu Leistungsfeindlichkeit oder zum Abbau von Leistungsbereitschaft führt, oder zu schwer korrigierbaren Fehlsteuerungen von Leistung.[..] Die Grundthese lautet: Mache die Menschen zufrieden und dann werden sie leisten. 2

Diese Grundthese ist mittlerweile die gängige Meinung wenn es um Staatsaufgaben geht. Nicht nur immer mehr Transferleistungen wie Kindergeld, Wohngeld, Arbeitslosengeld und Mindestlöhne werden gefordert, nein der Staat soll das Glück des Einzelnen sicherstellen. Am Besten indem er jeden Bürger von jeglicher Existenzangst befreit und ihm ein bedingungsloses Grundeinkommen zahlt.

Damit wird aber genau das „Streben nach Glück“ pervertiert. Es wird dem Einzelnen aus der Hand genommen sein Glück selbst zu erkämpfen oder zu finden. Der „väterliche Staat“ übernimmt diese Leistung und macht sie damit wertlos. Menschen müssen an Herausforderungen wachsen.

Das soll nicht bedeuten, dass sie hungern oder frieren müssen, das muss man nicht lernen. Aber jedem muss die Gelegenheit gegeben werden Fehler zu machen, aufzustehen und wieder von vorn zu beginnen. Wenn jemand beim Stolpern schon gestützt wird wie soll er das Aufstehen lernen? Und wer will denn schon immer Fahrrad mit Stützrädern fahren?

  1. http://www.ushistory.org/declaration/document/index.htm
  2. Fredmund Malik: Führen Leisten Leben, S. 43f. (Amazon-Link )

Nachtrag: Der Tag der deutschen Einheit

Manchmal muss man an das Gute erinnert werden. Im Laufe des Tages habe ich einen eher fruchtlosen Argumentaustausch auf politik.de 1 geführt. Es gibt immer wieder Menschen die einfach nicht wahrhaben wollen, dass sie einem unmenschlichen System gedient haben. Manche können einfach nicht mehr anders. Sie haben ihr Leben dem System gewidmet und müssen nun mit ihrer Lebenslüge fertig werden. Das gestehe ich auch jedem zu. Was ich nicht nachvollziehen kann ist der Versuch die Geschichte der DDR zu beschönigen, ihren Unrechtscharakter zu verleugnen 2 und mit der gleichen ekelhaften Hassrhetorik gegen politisch Andersdenkende zu hetzen die man längst vergessen glaubte. Es erfüllt mich mit Abscheu und Wut solche Dinge im Jahr 20 nach dem Sturz des Regimes lesen zu müssen und zu wissen, dass diese Menschen andere gequält und missbraucht haben im Namen einer falschen Idee und wahrscheinlich noch heute gern darüber sprechen.

Für mich ganz persönlich ist der Tag der Deutschen Einheit ein Feiertag. Er ist der Beweis, dass sich Freiheit und Fortschritt auf Dauer nicht einsperren lassen. Der schweigenden unzufriedenen Mehrheit wurde in Leipzig und Dresden mit den Demonstrationen eine Stimme gegeben. Trotz aller reaktionären Eliten in der Partei- und Staatsführung erreichten sie die Öffnung des Eisernen Vorhangs, ohne Schießereien, ohne hunderte Verletzte oder Tote.

Er ist ein Feiertag der Freiheit, und gleichzeitig Erinnerung daran, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist. Sie wird gern bedroht, mal aus dem einen, mal aus dem anderen politischen Extrem. Vor Allem Menschen denen die heutige Welt zu komplex wird, deren Hirn nicht mehr in der Lage ist alle Facetten zu erfassen, flüchten sich gern in Schwarz-Weiß-Malerei und Verschwörungstheorien. Grundsätzlich sind andere an den eigenen Problemen schuld, mit Vorliebe graue Eminenzen und die üblichen Verdächtigen: Juden, Ausländer, Imperialisten und mit Vorliebe eine Mischung aus allem.3

Die Erinnerung war auch für mich mal wieder notwendig. Danke dafür an einen unbekannten Ewiggestrigen.

Und Danke an das antibuerokratieteam 4 , es ist immer wieder ein Silberstreif am Horizont.


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Das große Jammern

 

Als das Wahlergebnis bekannt wurde verstummten für einen kurzen Moment alle Blogger, Twitterer und Kommentatoren auf Facebook. Aber nur kurz, direkt danach begann das Heulen und Wehklagen. „Schwarz-Gelb“ ist das schlimmste was passieren kann, die CDU schränkt die Bürgerrechte weiter ein, die FDP drückt den Urheberschutz durch und so weiter.

Wenn man ehrlich ist, hätte es noch schlimmer kommen können. Kurz vor der Wahl sahen die letzten Umfragen Rot-Rot-Grün gleichauf mit Schwarz-Gelb. Eine Koalition aus einer Partei die noch nach ihrem Standpunkt sucht, einer Partei die dem letzten Überwachungsstaat doch noch irgendwie hinterher trauert und einer Partei die sich nur schwer zwischen Ökologie und technischem Fortschritt entscheiden kann wäre wohl deutlich schlimmer geworden.

Vor Allem diejenigen die sich für ein neutrales Netz stark machen kann ich am wenigsten verstehen. Die SPD hat sich doch gerade in den letzten Wochen zusätzlich für eine stärkere Regulierung des Internets stark gemacht, neue Regelungen im Pressefusionsrecht gefordert und durch ihren schlecht geführten Onlinewahlkampf ihre fehlende Kompetenz in diesem Bereich bewiesen. Die LINKE vertritt sowieso ein Menschenbild das mehr an den „neuen sozialistischen Menschen“ erinnert als an den für sich selbst verantwortlichen mündigen Bürger.

Schwarz-Gelb ist in dieser Kombination vielleicht nicht das Nonplusultra für Deutschland, eine bessere Alternative hat sich jedoch nicht geboten. Außer vielleicht Gelb allein. Aber das wird noch lange ein Traum bleiben. Durch die FDP kann der Freiheitsgedanke wohl weit besser vertreten werden als durch die eindimensionale Splitterpartei der Piraten, vor allem wenn sich diese gern mal in rechten Kreisen bewegen.  

Quellen:
http://www.netzpolitik.org/2009/klare-fronten-schwarz-gelb/
http://blog.zeit.de/zweitstimme/2009/09/27/strahlendes-trio_580
http://blog.zeit.de/zweitstimme/2009/09/27/schockstarre-auf-twitter_564
http://www.spreeblick.com/2009/09/27/bundestagswahl-2009-deutschland-wird-schwarzgelb/


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