Leistungsgerechte Bestrafung

Heute Morgen hörte ich im Deutschlandfunk ein Interview zur anstehenden Entscheidung über die Verfassungsmäßigkeit der Hartz-IV Regeln für Kinder und Jugendliche. Der Vorsitzende des Bundes deutscher Sozialrichter Jung sagte auf die Frage nach der Möglichkeit einer Gutscheinregelung:

…Also es ist nicht so, als wenn dies generell verboten wäre, wenngleich auch Bedenken vorgebracht werden in Bezug auf diskriminierende Wirkung von Gutscheinen.

Engels: [D-Radio Mitarbeiterin, S.L.]Weil man dann damit dem Kind einfach deutlich das Stigma umhängen würde, du bist Gutscheinempfänger, du bist Hartz-IV-Empfänger?

Jung: Ja, wird vorgebracht. Allerdings ist es ja etwa auch gängige Regelung, dass die Beiträge zu Kindertagesstätten nach dem Einkommen gestaffelt werden und für Menschen mit geringem Einkommen und Hartz-IV-Empfänger ist die Kita kostenfrei. Da ist man auch bisher noch nicht auf die Idee gekommen, dass das eine stigmatisierende Wirkung habe. Da geht man nicht so vor, dass man finanziellen Transfer vornimmt, sondern eben den Beitrag staffelt. [ 1. D-Radio: Bund Deutscher Sozialrichter erwartet höhere Hartz IV-Regelsätze für Kinder]

Vor allem der letzte Satz bezüglich der Staffelung des Beitrages hat dann doch einen bitteren Beigeschmack bei mir hinterlassen. Im Endeffekt wird darüber diskutiert das sich arme Menschen stigmatisiert fühlen könnten wenn sie Sachleistungen empfangen, es wird gleichzeitig aber als völlig normal angesehen das Menschen mit mittleren Einkommen doppelt für die Unterbringung ihrer Kinder in Kindertagesstätten bezahlen. Sie bezahlen erstens Einkommenssteuer und zweitens noch einen Beitrag für die Kinderbetreuung.

Es geht dabei nicht darum armen Menschen und vor allem Kindern die Unterstützungswürdigkeit abzusprechen, sondern das mit solchen Regelungen jeder Anreiz sich selbst aus einer finanziellen Notlage zu befreien genommen wird. Gleichzeitig wird das Lohnabstandsgebot eklatant verletzt. Wenn die kindbezogenen Sozialleistungen mit einbezogen werden hat bereits jetzt eine Familie mit Erwerbseinkommen weniger Geld zur freien Verfügung als eine Familie die alimentiert wird.

Jemand der einer Erwerbsarbeit nachgeht hat dementsprechend auch Kosten die er nicht voll von seiner Steuerschuld absetzen kann. Das Auto um zur Arbeit zu fahren, der Mehraufwand für Kleidung, Waschen, Essen das mitgenommen oder in der Kantine eingenommen wird. Die Fortbildungskosten die weder Arbeitgeber noch Sozialstaat tragen und so weiter. Daneben steigt mit jeder Gehalterhöhung der Beitrag für den Kindergarten, Schulbücher müssen gekauft werden, die GEZ muss bezahlt werden, das Handy selber finanziert werden und dann sollte man noch mindestens 10% seines Einkommens für das Alter zurücklegen.

Am Ende bezahlen diejenigen die Zeche die eigentlich den größten Anteil am Produktivitätszuwachs der letzten Jahrzehnte hatten, junge Akademiker und Fachkräfte. Alle diejenigen die den Anspruch an sich selber stellen etwas zu leisten und voranzukommen. Manchmal kann man sich aber schon fragen ob man für die Leistung die man erbringt aber nicht eher bestraft wird weil andere Menschen sich in einer Art Opfermentalität verstecken und sich dann noch diskriminiert fühlen dürfen.


Getaggt mit:
 

Die Mission Schönbohms

Jörg Schönbohm hat in einem Interview gefordert das man die christlichen Werte vor allem Ostdeutschland wieder stärker fördern sollte, genauer hat er gesagt das man damit vor allem der “Verwahrlosung und Entbürgerlichung” in Ostdeutschland bekämpfen soll. Der General a.D.  und Innenminister des Landes Brandenburg hat damit wohl mehr als nur fehlendes Taktgefühl bewiesen, er hat vor allem absolut herablassend alle Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse bezeichnet.

Irgendwie erschließt sich mir der Zusammenhang zwischen Religion und Demokratie nicht, und auch nicht wieso die politische Indoktrination und die kirchenfeindliche Politik des DDR-Regimes irgendwie eine angebliche Verwahrlosung gefördert haben.

Meiner Meinung nach ist Religion Privatsache und hat nichts mit einem Demokratieverständnis zu tun. Dier vom Minister angesprochene Verwahrlosung kann man wohl eher der gescheiterten Politik in den neuen Länder zur Last legen. Menschen die viel Hoffnung in die Wiedervereinigung gelegt haben sind nicht mitgenommen worden in das neue politische System, der Verlust ihrer Arbeitsplätze und Verfall kommunaler Strukturen hat den Prozess der Entfremdung noch beschleunigt. Dieser Prozess ist aber nicht auf Ostdeutschland beschränkt, in den ländlichen Gegenden der Bundesländer Niedersachsen oder Bayern gibt es sicher Dörfer die eine ähnliche Sozialstruktur aufweisen und deren Bewohner genau soviel mit bürgerlichen Werten anfangen können!

Außerdem ist Religion eine sehr undemokratische Einrichtung oder hat einer der “Laien” der katholischen Kirche schon mal an der Papstwahl teilgenommen? Das Christentum als Garanten des bürgerlichen Europa hinzustellen ist ist an sich schon vermessen, schließlich hat erst die Aufklärung und die Befreiung des Denkens vom christlichen, insbesondere katholisch geprägten Duktus den Aufstieg Europas ermöglicht und die bürgerliche Kultur hervorgebracht. Eine Missionierung ist also nicht notwendig Herr Minister.


Wider den Informationsoverkill

Mit meiner neuen Leidenschaft für das eigene Blog geht eine weitere einher, Blogs und RSS-Feeds lesen. Ich muss zugeben das ich nicht mehr weiß wie ich bisher auf diese Lektüre verzichten konnte. Vor allem so Randthemen wie Selbstorganisation oder das neueste Geek-Gadget kann man mit einem RSS-Reader immer gut im Blick halten auch wenn das dann zu den unwichtigen und nicht dringenden Aufgaben gehört.

Mit steigender Anzahl an Datenquellen tut sich ein Problem auf das jeder Historiker irgendwie kennt, zu viele Quellen schaden mehr als sie nützen denn sie kosten Zeit, verstellen den Blick auf das Wesentliche und vor allem langweilen uninteressante Sachen vor allem Menschen wie mich zu Tode. Und das manuelle Löschen wird ebenso schnell aufgegeben wie die das Lesen der Artikel die einen eigentlich interessieren weil der Reader innerhalb von Tagen überquillt.

Man kann ein paar Regeln beachten um den Datenwust so überschaubar wie möglich zu halten.

  1. Nur die Posts der letzten 3 Tage pro Feed speichern lassen.
  2. Alles was einen auf den ersten Blick nicht interessiert: löschen! löschen! löschen!
  3. Die Feeds die man abonniert hat sinnvoll und nach einem System ordnen. Welchem System man dabei folgt ist vollkommen egal. Hauptsache man hat überhaupt eins. Und nein, die automatische alphabetische Reihenfolge im Reader ist kein System!
  4. Dinge die man später lesen will bookmarken und dann später lesen. Dabei sollte man sich jedoch wirklich auf Dinge beschränken für die man jetzt keine Zeit hat oder die man beim ersten Überfliegen nicht verstanden hat aber gern verstanden hätte.
  5. Möglichst Feeds mit einem langen Horizont abonnieren, Blogs, Kolumnen oder Magazine eignen sich besser als Tageszeitungen und News. Auch wenn es Newsfeeds heißt eignen sich RSS-Feeds eher zur Sammlung langfristiger Dinge denn der letzten Meldung aus dem Dschungelcamp.
    Eine weitere Möglichkeit die Feeds bereits vorher zu filtern bietet Yahoo Pipes. Dieser News-Aggregator sammelt die Feeds und filtert sie nach bestimmten Stichwörtern. Die dahinter stehende Engine ist jedoch sehr umfangreich, mal eben schnell ist das nicht eingerichtet. die c’t hat diesem Thema bereits einen Artikel gewidmet, dieser schießt jedoch für den Otto-Normalverbraucher schnell über das Ziel hinaus und ist zudem für den nicht Abonnenten noch kostenpflichtig. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit und mit regelmäßiger Pflege der Quellen kann man damit schon fast alle unerwünschten Elemente Ausfiltern. ( Solche sinnlosen Sachen wie Fußball-Bundesliga zum Beispiel. )

Trotzdem kann einen der Wissensdurst noch vor so einige Hürden stellen. Was machen wenn ich keinen Internetzugang habe, vielleicht weil mein Arbeitgeber nur Email erlaubt. Entweder man hat ein Smartphone mit Internetflatrate und der richtigen Software oder man muss sich eine andere Lösung überlegen. Naheliegend wäre in dem Moment  der Empfang per Mail. RSS2PDF generiert zwar aus Feeds pdf-Dateien verschickt sie aber nicht automatische per Mail. Den Dienst kann man dann auch mit einer Pipe füttern, hat dann die PDF auf dem Rechner und kann die Mittagspause quasi produktiv für die eigene  Persönlichkeitsbildung nutzen. Der Nachteil des ganzen ist recht schnell erkannt, morgens nochmal schnell das pdf generiert und verschickt, und dann stellt das Lieblingsblog genau eine halbe Stunde später den tollen neuen Artikel ein den man dann natürlich verpasst.

Aber auch dafür gibt es eine Lösung:Tabbloid

Der kostenlose Webdienst generiert aus den eigenen Feeds, optional eben eine Yahoo Pipe eine eigene Zeitung die dann automatisch an eine Mailadresse verschickt wird. Mehr lässt sich zu dem Dienst auch nicht mehr sagen, einfach einrichten und Spaß haben. Und wenn die eigene Zeitung dann noch Rubriken haben soll eben dementsprechende Pipes bauen. Vielleicht erkläre ich deren Aufbau ja in einem anderen Artikel.



Performance Optimization WordPress Plugins by W3 EDGE

Switch to our mobile site