Das Netz im Wohnzimmer

Große flache Bildschirme beherrschen die IFA in diesem Jahr ebenso wie in den letzten 5 Jahren, in diesem Jahr kommen noch die Anbieter diverser 3D-Fernsehlösungen hinzu. Ebenso tauchen immer mehr massenmarkttaugliche Blu-Ray Geräte auf und HDTV-Receiver sollen zusammen mit VDSL und digitalem Kabel dem hochauflösenden Fernsehen den endgültigen Durchbruch verschaffen. Auf der anderen Seite scheint sich auch endlich was bei der Symbiose zwischen alten und neuen Medien zu tun. Immer mehr Fernseher kommen mit Widgets, Portalen oder Protokollen zum Abspielen von Netzwerkmedien auf den Markt.

Philips hat auf den ersten Blick die am weitesten entwickelte Internetanbindung für seine Fernseher realisiert, neben den üblichen Angeboten wie YouTube, flickr und kino.de kann man auf diesem Gerät einen Browser starten der Zugriff auf frei wählbare Inhalte erlaubt. Diese Möglichkeit wird auch werbewirksam präsentiert, dabei wird nur allzu gern vergessen, dass dieser Browser derart viel Rechenleistung verlangt das er sich nach jedem Klick eine kleine Pause gönnt und ähnlich wie das IPhone keine integrierten Flashfilme wiedergeben sowie kein Javascript verarbeiten kann. Damit entfallen 90% der modernen Internetseiten für diesen Fernseher oder werden falsch dargestellt. Auch die Portale von Samsung, Sony und Panasonic bieten bis auf den Browser ähnliche Funktionalität, die Geschwindigkeit lässt jedoch in allen Bereichen zu wünschen übrig.

Ein weiteres Problem der Symbiose von Wohnzimmerunterhaltung und weltweitem Netz ist die heterogene Bedienung der einzelnen Angebote. Die Hersteller der Fernseher wollen und müssen auf Tastatur und Maus verzichten um den Nutzer ansprechen zu können, die Internetseiten sind jedoch nur bedingt bedienbar ohne diese Instrumente. Bildschirmtastaturen, wie man sie aus Zeiten des SNES, noch kennt werden heute nur noch schwerlich begeisterte Nutzer finden. Der Rückgriff auf eine Nintendo-Konsole kommt aber nicht von ungefähr, eine Bedienung ähnlich der WiiMote als Ersatz für die Maus als Zeigegerät, verbunden mit einer Zahlentastatur mit T9 würde wohl für die meisten Wohnzimmersurfer vollkommen ausreichen.

Eine weitere Herausforderung für die Hersteller ist das Abspielen von Netzwerkmedien. Vor allem die Decodierung von hochauflösendem Material erfordert sehr viel Rechenleistung, viele günstige Büro-PC sind mit einer derartigen Aufgabe überfordert. Ein surrender Lüfter im Fernseher, der den HD-Audio Genuss dann doch erheblich stört, wird wohl von den wenigsten Nutzern toleriert werden. NVIDIA’s ION Plattform bietet hier die ersten Lösungsansätze. Die passive Kühlung ist trotzdem nur schwer realisierbar., eine aktive macht sich spätestens nach zwei Jahren im Wohnzimmer bemerkbar wenn die Lager der Lüfter genug Staub aufgenommen haben. Aber nicht nur HD-Material ist schwierig zu behandeln, die Vielzahl an verfügbaren Kodierungen und Dateiformaten macht es fast unmöglich alle Szenarien vorauszusehen die sich der Nutzer für das Gerät ersinnen könnte. Und genau der eine, jetzt so wunderbar zu Stimmung passende Film läuft dann wieder nicht auf dem tollen Fernseher. Spätestens dann bekommt man von seiner Gattin vorgehalten, dass man zu viel Geld für das Gerät ausgegeben habe.

Netzwerkanbindung per WLAN und LAN ist kein größeres Problem mehr, das Einlesen von USB-Medien ebenfalls nicht. Aber auch hier haben die Fernseher mit der schwachen Rechenleistung zu kämpfen, niemand will eine Diashow sehen bei der jedes Bild länger aufgebaut als angezeigt wird. Dann schlafen die Nachbarn ja noch schneller ein. Leider ist das gerade bei großen unbearbeiteten Bildern der Fall, die meisten Menschen die diese Form der Zerstörung gutnachbarlicher Beziehungen nutzen werden die Bilder aber genauso an den Fernseher übergeben. Man könnte hier einen großen Pufferspeicher dazwischenschalten, dieser würde der Hardware genügend Zeit geben die Bilder zu decodieren. Andererseits fehlt eben auch hier die Rechenleistung.

Als Fazit über den aktuellen Stand der Verbindung zwischen Netz und Heimkino lässt sich festhalten: Gute Ideen gibt es allerorten, aber entweder denken die Ingenieure immer noch nicht an den Nutzer oder die Produktmanager zwingen sie zur Veröffentlichung unfertiger Produkte um ja nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Die fehlende Rechenleistung der eingebauten Komponenten fehlt an allen Ecken und Enden, selbst die Bedienung der Kernfunktionen mit aufwendigen Menüs ist teilweise hakelig und langsam.

Für den Nutzer kann das nur eins heißen: Abwarten! Wer dafür keine Zeit hat oder experimentieren will, für den kommt eigentlich nur ein Medienzuspieler mit Netzwerkanschluss in Frage, der kostet nicht so viel und kann bei Bedarf schnell ausgetauscht werden.


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Onlinewahlkampf – so kann man es machen

Während Angela Merkel stolz ihre Erfolge in sozialen Netzwerken feiert, die bei genauerem Hinsehen nicht mal annähernd das Niveau der Kunstfigur Horst Schlaemmer erreichen zeigt die FDP wie man richtigen Online-Wahlkampf macht.

Youtube-Spot der FDP

Neben sehr amüsanten Youtube-Clips gibt es jede Woche eine nette Mail mit kleinen Ideen mit denen man selbst zum Wahlkämpfer mutieren kann:

Anbei finden Sie, wie gewohnt, 7 kleinere Wahlkampfideen für die kommende Woche:
1. Verschicken Sie den Link zum FDP-TV-Spot an 10 Freunde.
2. Spenden Sie ein Großflächenplakat mit Westerwelle über den 1-2-3 Service oder kaufen Sie sich Ihr ganz individuelles mit Ihrem eigenen Kopf und Ihrem eigenen Name über das Online-Tool des liberal Verlages.
3. Organisieren Sie eine blau-gelbe Radtour.
4. Schreiben Sie einen FDP-freundlichen Leserbrief an Ihre Zeitung.
5. Führen Sie ein Mini-Fundraising auf Ihrem Balkon durch – Kiste Bier, Kiste Politik und Kiste Geld für den Bürgerfonds.
6. Fragen Sie in Ihrem Wahlkreis oder über das MitMachZentrum nach den ersten Info-Ständen sowie nach regionalen Veranstaltungen und stellen Sie sich für ein paar Stunden zur Betreuung zur Verfügung.
7. Spendieren Sie Ihren Freunden einen Blau-gelben Drink.

Besondere Aktion:
Da sich 50% unserer Wähler erst in den letzten 3 Tagen vor der Wahl für die FDP entscheiden, unterstützen Sie die FDP in Sachsen, Thüringen, Saarland und NRW. Rufen Sie, smsen Sie oder mailen Sie 5 Freunden, Verwandten oder Bekannten in den wahlkampfführenden Bundesländern.

Dann  stolpert man schon über die nächste Aktion: Wahlkampffotos bei flickr oder mal einen Wahlkampfstand für ein paar Stunden betreuen so mobilisiert man die Webcitizen auch mal für Aktionen außerhalb des Web 2.0.

Das ganze soll trotz der nur schwer zu verbergenden Bewunderung für die Kampagne kein Wahlwerbeartikel werden, es geht hier einfach nur einmal darum zu zeigen welche Möglichkeiten man hat wenn man die Adressaten der Werbung ein wenig ernst nimmt.

Wenn man bei dieser Mediennutzung noch Netzneutralität und digitale Bürgerrechte zu seinen Kernanliegen macht dann können auch die Piraten dieses Schiff nicht mehr ins Wanken bringen. Die FDP versucht sich in allen Belangen als die neue bürgerliche Mitte zu präsentieren, leider ist das noch nicht so ganz im Programm angekommen. Es fehlen klare Aussagen zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten im Netz und vor allem zur bürgerlichen Freiheit allgemein, abseits von Steuerreform und Wirtschaftspolitik!

Das Medium ist nicht alles, auch die Botschaft sollte schlüssig sein!

UPDATE: Leider hat die Junge Union bewiesen wie man es nicht machen sollte! Wen will die JU damit überzeugen? Kindergartenkinder? Dann muss aber noch schnell das Wahlalter auf 4 gesenkt werden. Dann kann man auch Rolf Zuckowski engagieren und sich gar nicht mehr um Inhalte kümmern.

Das Video wurde mittlerweile entfernt, anscheinend sind die Reaktionen dann doch bis in die letzten vermieften Amtsträgerstuben durchgedrungen.

UPDDATE: Der Wahlfisch im Stern hat noch ein besonders gehaltloses Exemplar der Abteilung Online-Wahlkampf der CDU ausgegraben:


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Nachdem unsäglichen Auftritt einer jungen Nachwuchspolitikerin in Morgenmagazin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens könnte man fast glauben das die Internetausdrucker bereits vor der Wahl gewonnen haben. Wer den Auftritt verpasst hat, kann ihn hier nochmal ansehen: ( Gefunden über Stefan Niggemeier)

Ebenso seziert Rechtsanwalt Udo Vetter in seinem Law Blog die Forderung nach dem Einsatz von mehr Personal zur Verfolgung von Internetstraftaten. Hier ein paar Auszüge:

Es gibt bereits heute Internetstreifen. Beim Bundeskriminalamt ist die “anlassunabhängige Internetüberwachung” aktiv. Wie man hört, ist die Abteilung nicht schlecht besetzt. Ein Tätigkeitsschwerpunkt ist die Überwachung von Tauschbörsen auf kinderpornografisches Material. Ein Fahnder aus der Abteilung sagte mir kürzlich, dank einer speziellen Software werde praktisch jede deutsche IP-Adresse erwischt, über die verbotenes Material zum Upload bereitgehalten werde.

Interessant, irgendwie klingen mir immer noch die Aussagen unserer Familienministerin in den Ohren das man ohne umstrittene Stoppschilder niemals gegen Kinderpornographie ankommt. Wozu brauche ich die denn noch wenn eh jeder Deutsche erwischt wird?

Nach einem Absatz über die kleinen Internetstraftaten die  vor allem Leistungsrecht und Handelsrecht betreffen kommt er dann zum Kern des Problems:

Auch wenn ich drüber nachdenke, fällt mir dann nur noch das Gebiet der politisch und religiös motivierten Propaganda ein. Die sogenannten Hass- und Hetzseiten. Gestern hat ein Kommentator im law blog geschrieben, Meinungsfreiheit sei nutzlos, wenn sie nur genehme Meinungen schützt. Ich stimme dem zu. Wir brauchen keine Gedankenpolizei, die im Internet den Blockwart gibt und per Stoppschild oder Löschknopf entscheidet, was dort zu lesen ist.

Eine Gedankenpolizei macht vielleicht heute nur “anderen” direkt Angst. Aber sie führt auch bei jedem anderen dazu, dass er sich sorgt, ob er nicht vielleicht auch schon im Visier ist. Im Rahmen der Verfassungsbeschwerde über die Vorratsdatenspeicherung ist dieser Punkt ein wichtiges Thema. Das Gericht fragt nämlich, welche Auswirkungen allein das Wissen um Überwachung hat. Die Antwort findet sich auch schon in früheren Urteilen. Überwachung, selbst wenn sie nicht direkt als bedrohlich empfunden wird, führt zu Selbstreglementierung, Konformität und den vorauseilenden Verzicht auf die Wahrnehmung von Bürgerrechten.

Vielen Dank das es mal jemand ausspricht, warum haben wir denn den Überwachungsstaat im Osten Deutschlands abgeschafft? Bestimmt nicht um ihn 20 Jahre später in ganz Deutschland wieder einzuführen!

Aber es gibt noch Hoffnung, im gleichen Blog wurde das Skript von Prof. Thomas Hoeren vorgestellt. Er setzt sich auf 543 Seiten mit fast allen Aspekten des Internetrechts auseinander. Das Skript kann man hier downloaden.

Es gibt einen interessanten Einblick in die Entwicklung des Rechts für das Kommunikationsmedium Internet nicht den “Rechtsraum Internet”. Den kann es ja so auch nur für Menschen geben die zu viele schlechte Cyberspacefilme gesehen haben oder den düsteren  Zukunftsvisionen von “Deutschland in den Schatten” erlegen sind. Alle anderen wissen das das Internet nichts weiter als eine Kommunikationsverbindung zwischen mehreren Computersystemen ist. ( Siehe dieser Artikel in Spiegel Online)

Es bleibt also erneut festzuhalten, das Internet ist nicht rechtsfrei, es ist genauso rechtlichen Beschränkungen unterworfen wie ein Telefonanschluss oder ein Brief.


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