Meine Partei hat immer Recht!

Gefunden in einem Kommentar zu einem Artikel zum Koalitionsvertrag bei spreeblick.com:

Andererseits ist das Weltbild von Gelb doch Grundstein der neoliberalen Krise deren Konsequenzen wir gerade ausbaden. Daß jene trotzdem noch Stimmen gewonnen haben, läßt mich mehr am Wähler als an der Politik zweifeln…

Volljährigkeit allein befähigt nicht zum Autofahren, sondern der Führerschein.

Ein System, in welchem man nen Wählerschein (Kritische Denkprüfung) zur Wahl braucht, wäre vielleicht zu überlegen.

Der Prüfling zeigt im Beantworten fundamentaler Fragen, daß er sich über die wesentlichen Kriterien einer funktionierenden und gerechten Gesellschaft im Klaren ist, bevor er zur Wahlurne zugelassen wird.

Bei dem ersten Satz dache ich noch:" Mhm, wieder einer der in Latein und in Geschichte nicht aufgepasst hat und gerne nachplappert, was Gewerkschaftsbosse so beschwörend fabulieren wenn sie Angst um ihren Posten haben."Aber dann wurde es richtig schlimm! Die Einführung eines Wählerscheines sollte angedacht werden. Damit der Wähler dann erst wählen geht wenn er die "Richtigen" wählen kann. Nichts zeigt deutlicher Demokratieverachtung als diese Aussage: Er soll sich über "die Kriterien einer funktionierenden und gerechten Gesellschaft im Klaren" sein." Da beansprucht also eine Einzelperson die Deutungshoheit über die Gerechtigkeit, oder soll ich lieber sagen ein staatliches Kollektiv?

Einem Staatsbürger die Befähigung abzusprechen, ohne wohlmeinende Erziehung das "Richtige" zu wählen stellt Demokratie an sich in Frage, es entspricht dem Denken des preußischen Dreiklassenwahlrechts nur mit rotem Mantel verhüllt. Der eine Bürger ist mehr wert als der andere weil er dem bestehenden Staat eine größere Stütze ist. Mal ganz von der Möglichkeit einer politischen Zuverlässigkeitsprüfung durch die wohlmeinende Staatsmacht abgesehen.

Welche Wahl habe ich denn noch wenn ich vorher schon in eine bestimmte Richtung gedrängt werde? Was ist denn "gerecht"? Ist es gerecht wenn jemand mehr Geld für gute Arbeit erhält aber dann weniger Netto hat weil der Mittelstandsbauch und die Umverteilung zuschlagen? Ist es gerecht wenn Leute die zu Hause sitzen mehr Geld in der Tasche haben als Menschen die jeden Morgen zur Arbeit fahren? Oder ist es gerecht wenn jeder alles bekommt was er will ohne das er dafür bezahlen muss weil alle freiwillig Müll fahren, in der Fleischerei arbeiten oder alten Menschen die Windeln wechseln und dafür kein Geld mehr bekommen?

Um Auto fahren zu können benötigt man eine Ausbildung deren Abschluss nachgewiesen wird, um Wählen zu gehen reicht das Lebensalter. Das ist auch vollkommen ausreichend, schließlich gehen wir ja alle zu Schule und lernen dort was Demokratie ist und was nicht! Oder etwa doch nicht?


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Geschichtswissenschaft ist die analoge Informatik

Heute hatte ich ein Gespräch mit einem Berufsberater bezüglich meiner weiteren Qualifikation  nach dem Abschluss meines Studiums der Geschichtswissenschaften. Er zeigte sich sichtlich erstaunt als ich mitteilte über ein Zweitstudium in Informatik nachzudenken. Wie die meisten Menschen fragte er mich wie ich den von dem einen Fach auf das andere kommen würde. Nun ganz einfach, ein Historiker ist nichts weiter als ein analoger Informatiker erklärte ich ihm. Nach ein paar weiteren Erläuterungen verstand er dann auch was ich damit gemeint hatte.

Die Geschichtswissenschaft hat nun überhaupt nichts mit  dem Wissen über zeitliche Abläufe und dem Ansammeln von Faktenwissen wie man es aus der Schule kennt zu tun. In der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Geschichte steht das Sammeln von Informationen im Vordergrund. Diese Informationen werden aus Quellen gewonnen, diese Quellen listen aber nicht hundertprozentig auf was man sucht, manche Dinge muss man sogar durch den umgekehrten Beweis zu Tage fördern.

Das Analysieren der zur Verfügung stehenden Quellen und die Verarbeitung der darin enthaltenen Informationen generiert erst das was man dann am Ende als die Geschichte kennt. Dazu müssen die Informationen in einen Kontext gesetzt werden, angeordnet, und die Beziehungen zwischen den einzelnen Daten begutachtet werden.

Diese grobe Beschreibung trifft im Wesentlichen auch auf die Kernkompetenz des Informatikers zu: Informationen sammeln, in eine Form bringen in der sie weiterverarbeitet werden können und sie am Ende ausgeben so das sie einen Nutzen für den Anwender haben. Der entscheidende Unterschied liegt in der Wahl der Werkzeuge, während ein Computer streng digital und damit logisch rechnet,  erlaubt das menschliche Gehirn Unschärfen und Vermutungen die vielleicht nicht der Logik entsprechen, dieses Manko jedoch durch Erfahrung wettmachen. Kein Computer hätte ohne den entsprechenden Input antike Quellen übersetzen und auswerten können, kann dafür jedoch innerhalb von Sekunden tausende Münzen vergleichen und auswerten sowie statistische Zusammenhänge deutlich machen.

Am Ende geht es jedoch stets um Informationsverarbeitung, ob nun mit Hirnschmalz allein oder mit Transistoren die programmiert werden müssen, das Prinzip ist das gleiche.

Also ist ein Historiker ein analoger Informatiker.


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