Frederic Bastiat1 war ein Ökonom in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. In seinen Schriften wandte er sich gegen Staatseingriffe aller Art und entlarvte, heute würde man sagen dekonstruierte, am laufenden Band ökonomische Mythen. Seine Hauptwerke richteten sich gegen Subventionen, Handelsbeschränkungen und vor allem gegen einseitiges ökonomisches Denken. Heute ist er vor allem eines: Unbekannt!

Das liegt nicht unbedingt daran, dass seine Theorien heute schon so zum Allgemeingut geworden sind das die Frage nach dem „Wer hats erfunden?“ noch weniger Relevanz besitzt als bei Kräuterbonbons. Im Gegenteil, seine Gedanken sind heute in Zeiten des allgegenwärtigen Staates umso provokanter. Umverteilung durch Steuern ist in seinen Augen legalisierter Raub, ähnlich wie es Sloterdijk erst in diesem Jahr in seiner „Revolution der gebenden Hand“2 formuliert hat.

In meinen Augen ist sein Hauptwerk der Aufsatz: „Was man sieht und was man nicht sieht.“3 Hier entwickelt er den Begriff der Opportunitätskosten der Steuererhebung. Was kostet es eigentlich wenn der Staat Geld zum Wohle der Allgemeinheit ausgibt? Welchen Sinn haben Geldverteilung und Kunstförderung? Wäre es nicht sinnvoller wenn jeder Bürger all sein Geld vor allem zu seinem Nutzen ausgeben würde?

Bastiat hat auf alle diese Fragen eigentlich eine überzeugende Antwort: Das Geld wird niemals weniger und geht der Wirtschaft nicht verloren wenn es jeder selber ausgibt. Nur dann wird es zu seinem besten Nutzen eingesetzt. Der Eingriff des Staates führt dagegen immer zu Verwerfungen. Selbst die Kulturförderung stellt er in Frage. Die Kultur solle sich ihren eigenen Lohn suchen.

Seine Theorien widersprachen schon dem Staatsverständnis eines Bismarck, von den sozialistischen Weltverbesserern der folgenden Jahrzehnten mal abgesehen. Hier liegt wohl auch der Grund für den geringen Bekanntheitsgrad seiner Theorien, von den Konservativen schon verdammt und dann dem Sozialismus widersprechend blieben nicht viele übrig die seine Ideen weiter tragen wollten und konnten.

Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Blick in seine Aufsätze. Sie zeigen eine Welt in der Menschen frei wirtschaften können und in der Eigenverantwortung nicht nur Gefahr sondern vor allem Nutzen gesehen wird. Seine Vorstellungen mögen heute etwas simplifizierend anmuten, an Überzeugungskraft haben sie aber nichts verloren. Der moderne Staat muss sich fragen lassen zu welchem Nutzen er Steuern und Abgaben erhebt und welchen Gegenwert er dafür erbringt in jedem Jahr die öffentlichen Ausgaben ansteigen zu lassen.


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Meine Partei hat immer Recht!

Gefunden in einem Kommentar zu einem Artikel zum Koalitionsvertrag bei spreeblick.com:

Andererseits ist das Weltbild von Gelb doch Grundstein der neoliberalen Krise deren Konsequenzen wir gerade ausbaden. Daß jene trotzdem noch Stimmen gewonnen haben, läßt mich mehr am Wähler als an der Politik zweifeln…

Volljährigkeit allein befähigt nicht zum Autofahren, sondern der Führerschein.

Ein System, in welchem man nen Wählerschein (Kritische Denkprüfung) zur Wahl braucht, wäre vielleicht zu überlegen.

Der Prüfling zeigt im Beantworten fundamentaler Fragen, daß er sich über die wesentlichen Kriterien einer funktionierenden und gerechten Gesellschaft im Klaren ist, bevor er zur Wahlurne zugelassen wird.

Bei dem ersten Satz dache ich noch:" Mhm, wieder einer der in Latein und in Geschichte nicht aufgepasst hat und gerne nachplappert, was Gewerkschaftsbosse so beschwörend fabulieren wenn sie Angst um ihren Posten haben."Aber dann wurde es richtig schlimm! Die Einführung eines Wählerscheines sollte angedacht werden. Damit der Wähler dann erst wählen geht wenn er die "Richtigen" wählen kann. Nichts zeigt deutlicher Demokratieverachtung als diese Aussage: Er soll sich über "die Kriterien einer funktionierenden und gerechten Gesellschaft im Klaren" sein." Da beansprucht also eine Einzelperson die Deutungshoheit über die Gerechtigkeit, oder soll ich lieber sagen ein staatliches Kollektiv?

Einem Staatsbürger die Befähigung abzusprechen, ohne wohlmeinende Erziehung das "Richtige" zu wählen stellt Demokratie an sich in Frage, es entspricht dem Denken des preußischen Dreiklassenwahlrechts nur mit rotem Mantel verhüllt. Der eine Bürger ist mehr wert als der andere weil er dem bestehenden Staat eine größere Stütze ist. Mal ganz von der Möglichkeit einer politischen Zuverlässigkeitsprüfung durch die wohlmeinende Staatsmacht abgesehen.

Welche Wahl habe ich denn noch wenn ich vorher schon in eine bestimmte Richtung gedrängt werde? Was ist denn "gerecht"? Ist es gerecht wenn jemand mehr Geld für gute Arbeit erhält aber dann weniger Netto hat weil der Mittelstandsbauch und die Umverteilung zuschlagen? Ist es gerecht wenn Leute die zu Hause sitzen mehr Geld in der Tasche haben als Menschen die jeden Morgen zur Arbeit fahren? Oder ist es gerecht wenn jeder alles bekommt was er will ohne das er dafür bezahlen muss weil alle freiwillig Müll fahren, in der Fleischerei arbeiten oder alten Menschen die Windeln wechseln und dafür kein Geld mehr bekommen?

Um Auto fahren zu können benötigt man eine Ausbildung deren Abschluss nachgewiesen wird, um Wählen zu gehen reicht das Lebensalter. Das ist auch vollkommen ausreichend, schließlich gehen wir ja alle zu Schule und lernen dort was Demokratie ist und was nicht! Oder etwa doch nicht?


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Geschichte im Internet Teil II

Link zum ersten Teil

In den letzten Tagen bin ich dann auf noch ein paar mehr Angebote gestoßen. Hervorheben möchte ich dabei das Projekt UrMEL. Es handelt sich dabei mitnichten um eine Kinderfigur aus dem Eis, sondern um ein Projekt der Universitäts- und Landesbibliothek Thüringen. Es bedeutet University Electronic Multimedia Library und soll vor allem die elektronischen Publikationen einfacher auffindbar machen.

Beim Stöbern bin ich über “Minuteman” gestolpert, die Regimentszeitung des 304th Infantry Regiment der US-Army. Dieses Regiment wurde im Zuge der Aufrüstung nach dem Kriegseintritt der USA 1942 wieder aufgestellt und kämpfte sich bis nach Thüringen durch. Nach dem Potsdamer Abkommen zog die Army aus diesem Gebiet ab und übergab es an die Rote Armee. Von dieser Zeitung sind dementsprechend wenige Ausgaben in Thüringen erschienen, die Innenansichten eines amerikanischen Verbandes während der Besatzung sind jedoch selten in Deutschland verfügbar.

Des Weiteren hat mich HSK noch auf ein britisches Projekt zur Erforschung des Mauerfalls aufmerksam gemacht: “After the Wall” ist ein Akademikernetzwerk, dass sich vor allem die “Erforschung der Rekonstruktion der DDR” zum Ziel gesetzt hat.  Im Fokus der Betrachtung steht die Erinnerungskultur nicht das Erinnern selber. Neben Veranstaltungen zu Alltags- und Erinnerungskultur steht der akademische Austausch ganz oben auf der Agenda.

Außerdem interessant ist der Blick von außen auf den Einigungsprozess, Großbritannien stand ja unter Margaret Thatcher einer deutschen Einigung eher skeptisch gegenüber.1 Die britischen Wissenschaftler schauen also unter Umständen dann doch mal etwas genauer hin. Die Seite hat auch gerade einen “Call for Paper” für die nächste Konferenz in Bangor gestartet, es werden Beiträge vor allem zu Erinnerungskultur gesucht, darüber hinaus sind jedoch auch alle anderen Beiträge zur DDR-Geschichte willkommen.

  1. Vgl. dazu ihre Memoiren: Downing Street 10


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