Egal wie die Revolutionen in den arabischen Staaten ausgehen werden, ein Gewinner steht schon mal fest: Hugo Chávez, der sozialistische Präsident Venezuelas. Durch den rasant gestiegenen Ölpreis, seit Dezember 2010 immerhin 20$ pro Barrel, treten die negativen Begleiterscheinungen seiner Verstaatlichungswut deutlich schwächer zu Tage.

In den letzten Jahren wurden große Teile der Industrie enteignet oder gegen Entschädigung verstaatlicht. Nicht nur die Ölindustrie, auch der Energiesektor, Telekommunikation, Stahlwerke, Banken  und zuletzt Zementfabriken. Letztere wurden verstaatlicht weil sie das ambitionierte Wohnungsbauprogramm der Regierung angeblich nicht ausreichend unterstützt haben. 1 Anstatt der avisierten 50.000 Wohnungen wurden im ersten Halbjahr 2010 gerade einmal 25.000 fertig gestellt. Hauptursache: Die von der Verstaatlichung betroffenen Firmen machen den Rohstoffmangel und die ausbleibenden Lieferungen aus den Staatsbetrieben für die Verzögerungen verantwortlich.

Durch die Wirtschaftskrise war der Ölpreis in 2009 stark eingebrochen, die Sozialprogramme des Präsidenten werden aber zu einem großen Teil aus den 60 Mrd. Dollar Gewinn des des staatlichen Ölkonzerns PDVSA finanziert. Durch die Krise wurde Chávez gezwungen viele seiner Programme, wie die ärztliche Versorgung in den Armenvierteln durch kubanische Ärzte oder die kostengünstige Versorgung mit importierten Lebensmitteln, stark zu kürzen oder ganz auszusetzen. Die Quittung kam dann mit den Parlamentswahlen 2010, erstmals in seiner Regierungszeit musste Chávez der Opposition die Hand reichen. 2

Gleichzeitig stagnieren trotz gestiegenem Ölpreis die Einnahmen aus der Förderung, die Produktionsraten des Staatskonzern sinken jährlich. In die Förderanlagen wurde nichts investiert, die Belegschaft nach dem Streik von 2002 meist nur noch nach politischen Kriterien ausgesucht und viele Facharbeiten wandern aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten in andere Staaten ab.

Ohne die politischen Umwälzungen in Tunesien, Ägypten und vor Allem die anhaltende Unsicherheit über die weitere Entwicklung in Libyen wären die Einnahmen Venezuelas aus dem Ölgeschäft also wesentlich geringer, die Machtbasis des Präsidenten dementsprechend deutlich labiler. Kein Wunder also das Chávez den lybischen Staatschef auch über Twitter zum Durchhalten ermuntert. 3 Jeder Tag der Unsicherheit spült dringend benötigte Devisen in seine Kassen.

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