Bildung als Zukunftsgarant


„Armutsrisiken sind vor allem Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsabschlüsse“ 1

Arbeitslosigkeit ist aktuell ein akutes Armutsrisiko, das mag niemand bestreiten der die Lebenswirklichkeit von ALG I und ALG II-Empfängern kennt. Arbeitslosigkeit trifft vor allem Menschen ohne Ausbildung und Schulabschlüsse. Arbeitslosigkeit ist damit eine direkte Folge eines schlechten Bildungssystems.

2,8 Billionen, das kostet laut einer, von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebenen, Studie das deutsche Bildungssystem. in den nächsten 80 Jahren. Nicht weil es so opulent mit Finanzmitteln ausgestattet wird, sondern an Folgekosten durch entgangenes Wirtschaftswachstum aufgrund unzureichender Bildung. 2

Zum gleichen Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung: Sie konstatiert einen volkswirtschaftlichen Schaden von 1,2 Billionen Euro bis 2020.3 Der Fachkräftemangel, heute schon vor allem im akademisch gebildeten Bereich zu spüren, entfaltet dann seine volle Wirkung. 4

Gleichzeitig gehen die Studenten in fast allen deutschen Universitäten auf die Straße oder besetzen Hörsäle. Vor Allem gegen Bologna und Studieren in Ruinen 5 richten sich die Proteste. Der Streik der Kindergärtnerinnen für bessere Betreuungsschlüssel und eine bessere Ausstattung der Kindergärten und Vorschulen ist schon fast wieder vergessen.

Insgesamt also, euphemistisch ausgedrückt, ein ambivalentes Bild: Einerseits bestätigen alle Wissenschaftler die Notwendigkeit einer Bildungsförderung und ernten dafür politische Zustimmung allerorten, andererseits straft die Realität diesem Anspruch täglich Lügen. Alle Ebenen der staatlichen Bildung leiden mittlerweile unter einem erheblichen Mangel an finanziellen Mitteln und auch gut ausgebildeten Fachkräften die bereit sind ihr Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.

Leider „investiert“ die deutsche Gesellschaft jedoch lieber in technisch nicht mehr aktuelle Mittelklassewagen aus Rüsselsheim, fragile Banken aus München und anachronistische Versandhändler aus Nürnberg. Nebenbei kann auch noch jeder öffentlich sein Leid klagen der seiner Meinung nach nicht genug monatliche Transferleistungen erhält.

Bildung ist Investition in die Zukunft, mit dem entsprechenden Bildungsniveau können wir uns auch in Zukunft unsere Sozialsysteme leisten. Bevor man über Grundeinkommen und Alimentierung aller Leistungsverweigerer nachdenkt sollte man lieber jeden freien Euro in kostenlose und freie Bildung investieren. Und zwar von Geburt an bis zum ersten Studienabschluss. Dann sinkt auch das Risiko für Armut in Deutschland nachhaltig.

  1. Zitiert nach Götz Werner: Einkommen für alle, S. 11. Aus dem Bericht „Armut und Lebensbedingungen“ des Statistischen Bundesamtes von 2005 http://bit.ly/8OIA00
  2. Bertelsmann Stiftung: Deutschland verschenkt enormes Wachstum durch schlechte Bildung
  3. Bildungsklick.de: Bildungsreform in Deutschland beschleunigen.
  4. Nicht umsonst findet mittlerweile fast jeder Absolvent der Bundeswehruniversitäten, der es darauf anlegt, ein Unternehmen, welches die Studienkosten für ihn übernimmt.
  5. http://bit.ly/8EFvlF
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4 Responses zu “Bildung als Zukunftsgarant”

  1. bgenymous sagt:

    Etschuldige bitte aber Bildung wird absolut mißbraucht. Wozu sollen Menschen gut ausgebildet werden, wenn es nicht genügend sozialversicherungspflichtige Stellen gibt? Es gibt doch inzwischen Massen von arbeitslosen Akademikern. Bildung in diesem Sinne ist ideologischer Mißbrauch. Unser derzeigites Schulsystem, Hauptschule, Realschule, Gymnasium bildet genau die ökonomische Herrschaftsarchitektur wieder. Ich bin bei weitem davon entfernt mich irgendwelchen linken Ideologien anzuschließen, dieser offensichtliche Mißbrauch der Bildung bringt aber den Menschen nichts.

    Beim Grundeinkommen geht es eben nicht nur ums Geld, es geht vor allem um einen neuen Gesellschaftsvertrag. Mit Grundeinkommen können wir die Bildung des Menschen durchsetzen.

    • Stefan Lorenz sagt:

      Nun wer sagt denn das es immer weniger Arbeitsplätze gibt? Schliesslich sind wir doch heute 100fach produktiver als zur Blüte der Industrialisierung und trotz rasanten Bevölkerungswachstums gibt es immer noch keine 30 Mio Arbeitslose wie diese These von der Rationalisierung gern glauben machen will. Thomas Malthus hat mit seiner Bevölkerungsfalle genau in die gleiche Kerbe gehauen und wurde durch den technischen Fortschritt grandios widerlegt. Genau deswegen ist Bildung Investition und Grundeinkommen nur die Konservierung der aktuellen Misere. Brot und Spiele in Reinkultur. Das hat in Rom nicht funktioniert, nur weil es heute Bares anstatt Getreide geben soll wird es besser?

      Die angebliche Akademikerarbeitslosigkeit geht wohl dann nur an meinen Kommilitonen vorbei, entweder machen wir etwas richtig oder alle anderen falsch. Komischerweise werden mittlerweile fast überall Akademiker für hohe Prämien abgeworben, vor allem wenn sie aus dem so genannten MINT-Bereich kommen. Leider können eben diese in Deutschland nicht forschen weil man viele Zukunftstechnologien aus populistisch geschürter Angst in Deutschland einfach mal verboten hat. Oder eben keine Fördermittel für Grundlagenforschung zur Verfügung stellt, Open-Acess nicht fördert und per se schon mal Klimawandel im Mittelantrag stehen muss damit man überhaupt Geld bekommt.

      “Bildung des Menschen” die dann wo erfolgen soll? Zuhause vor dem Fernseher? In diversen qualitativ hochwertigen Foren wie Heise oder CB? Oder in der VHS bei Kursen namens “Nähen und dabei Singen wie in grauer Vorzeit”?

      Ich habe nicht das dreigliedrige Schulsystem, dass sie hier ansprechen thematisiert, sondern die Bereitschaft Geld in Bildung allgemein zu investieren, vor allem in lebenslanges Lernen anstatt in Almosenvergabe an viele.
      Dazu gehören auch Dinge wie eine gut gefördertes flexibles VHS-System mit E-Learning und Angeboten für Berufstätige.

      Neuer Gesellschaftsvertrag? Bitte verschonen sie mich mit diesen sozialromantischen Totschlagargumenten.

  2. Christina sagt:

    Eine gute Zusammenfassung, allerdings denke ich nicht, dass es damit getan wäre mehr Geld in Bildung zu stecken. Man muss dabei ebenso beachten, dass nicht alle Menschen überhaupt bildungswillig sind bzw. das Streben nach mehr Bildung hätten, wenn es sie gäbe. Da immer mehr Menschen diese Einstellung teilen und dies auch an ihre Kinder vermitteln, denke ich, dass man auf mehreren Ebenen an das Problem heran gehen müsste.

    • Stefan Lorenz sagt:

      Das stimmt leider so. Wie sollte man das deiner Meinung nach machen?
      Meiner Meinung nach müsste man im Bereich der fakultativen Bildung weniger auf Wissensvermittlung sondern eher auf Methoden der Wissensaneignung setzen. Vor allem Recherche und Informationsverarbeitung sowie Selbstmanagement werden ja heute so gut wie gar nicht vermittelt.

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