Komplexität

Man mag es kaum glauben aber an dieser Überschrift habe ich lange gefeilt. Das Thema ist aber so komplex das ich es nicht in wenige Worte fassen kann, ein Titel würde es also immer nur verkürzt wiedergeben. Dieses eine Wort muss also für sich sprechen. Das Thema lässt sich auch nicht einfach so in einen Artikel packen deswegen werde ich mich dem ganzen in einer Serie nähern.

Im ersten Artikel wird es um die Grundlagen der Komplexität allgemein gehen, dann werden verschiedene Systeme auf ihre Komplexität hin überprüft. Ich bin auf das Modell der komplexen Systeme gestoßen als ich auf der Suche nach einem methodischen Überbau für meine Promotion war. Die komplexen Systeme eignen sich nur bedingt für mein Thema, trotzdem ging eine gewisse Faszination von ihnen aus-

Komplexe Systeme müssen folgende Kriterien erfüllen:

1. Nichtlinearität: Der Widerspruch gegen alle gewohnten physikalischen Grundgesetze! Isaac Newton und LaPlace haben uns gelehrt, dass man alles berechnen könnte wenn man nur alle Unbekannten kennen würde. Nichtlinearität bedeutet, dass selbst geringe Unterschiede in den Anfangsbedingungen oder kleinste Einflüsse auf das Verhalten von komplexen Systemen umfassende Veränderungen in der langen Frist auslösen können. Die Chaostheorie kennt derartige Phänomene als „Butterfly Effect“, Der „Butterfly Effect“ besagt grob: Wenn ein Schmetterling in Australien mit den Flügeln schlägt ändert sich in Europa das Wetter.

2. Agentenbasiert: Die Systeme bestehen ihrerseits aus Subsystemen. Diese Subsysteme können Maschinen, Menschen, Regelwerke oder auch Software sein. Wichtig ist nur das diese Subsysteme miteinander kommunizieren und doch nach eigenen Regeln agieren. Der Einfluss der anderen Systeme ist spürbar, er wird nur durch das eigene Regelwerk in seiner Wirkung verändert.

3. Emergenz: Emergenz bedeutet nichts anderes als: „ Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Aus der Interaktion der Subsysteme können Eigenschaften des komplexen Systems entstehen die nicht mit den Eigenschaften der Subsysteme erklärbar sind. Eine Marschgruppe im Gleichschritt bietet hier das beste Beispiel_ Die Soldaten bringen auch zusammen nicht genug Kraft auf um eine Brücke zum Einsturz zu bringen, sie erzeugen jedoch Schwingungen die durch Resonanz durchaus diese Wirkung haben können.

4. Offenheit: Die Systeme können nur durch permanenten Input überleben, seien es Informationen, Energie oder Materie. Sie müssen mit anderen System interagieren um sich selbst zu erhalten.

5. Pfadabhängigkeit: Die Systeme treffen aufgrund des Inputs bestimmte Entscheidungen, diese limitieren die Entscheidungsmöglichkeiten in der Zukunft. Es wird also immer ein bestimmter Pfad eingeschlagen. Zwischen Offenheit und Pfadabhängigkeit besteht eine ganz eigene Abhängigkeit. Wenn die Pfade die Offenheit limitieren dann entstehen weniger Pfade, die Offenheit wird weiter limitiert, am Ende stagniert das System und bricht zusammen.

6. Zielstrebigkeit: Auch komplexe dynamische Systeme streben einen Zustand der Stabilität an. Dieses Streben wird aber durch die Offenheit stets konterkariert, Stabilität im eigentlichen Sinne wird nur im Wettstreit zwischen Offenheit, Pfadabhängigkeit und Zielstrebigkeit erreicht. Wenn einer dieser Faktoren die Überhand gewinnt stagniert das System und verliert seine Komplexität.

Mit der Schilderung dieser Merkmale wird die Faszination klar, diese Systeme erfordern sehr viel Vertrauen, sie sind weder vorhersehbar noch kontrollierbar. Dennoch funktionieren sie, das menschliche Gehirn und das Internet sind nur zwei Beispiele davon.

Weg von der grauen Theorie kann die Theorie der komplexen Systeme jedoch einigen praktischen Nutzen entfalten. Klaus W. Zimmermann hat in seinem Buch „Die Ordnung von Reformen und die Reform von Ordnungen“ ( Affiliate-Link )einen Reformstau beschrieben der vor allem demokratische Systeme befallen hat. Sein Hauptkritikpunkt ist die fehlende Vision, die genau diese Reform blockiert , Wenn jetzt das zu reformierende System aber ein komplexes System ist dann ist die Reform ein unmögliches Unterfangen, schließlich sind nach den oben aufgeführten Kriterien die Auswirkungen einer Reform gar nicht absehbar, sie müssen also zwangsläufig einer Vision entbehren. Viele längst überfällige Reformen werden so zu einem unmöglichen Unterfangen.

Im nächsten Artikel werde ich diesen Zusammenhang zwischen Komplexität und Reformfähigkeit weiter erläutern. Ich freue mich auf Anregungen welche Systeme auf diesen Zusammenhang untersucht werden sollten.


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Das Netz im Wohnzimmer

Große flache Bildschirme beherrschen die IFA in diesem Jahr ebenso wie in den letzten 5 Jahren, in diesem Jahr kommen noch die Anbieter diverser 3D-Fernsehlösungen hinzu. Ebenso tauchen immer mehr massenmarkttaugliche Blu-Ray Geräte auf und HDTV-Receiver sollen zusammen mit VDSL und digitalem Kabel dem hochauflösenden Fernsehen den endgültigen Durchbruch verschaffen. Auf der anderen Seite scheint sich auch endlich was bei der Symbiose zwischen alten und neuen Medien zu tun. Immer mehr Fernseher kommen mit Widgets, Portalen oder Protokollen zum Abspielen von Netzwerkmedien auf den Markt.

Philips hat auf den ersten Blick die am weitesten entwickelte Internetanbindung für seine Fernseher realisiert, neben den üblichen Angeboten wie YouTube, flickr und kino.de kann man auf diesem Gerät einen Browser starten der Zugriff auf frei wählbare Inhalte erlaubt. Diese Möglichkeit wird auch werbewirksam präsentiert, dabei wird nur allzu gern vergessen, dass dieser Browser derart viel Rechenleistung verlangt das er sich nach jedem Klick eine kleine Pause gönnt und ähnlich wie das IPhone keine integrierten Flashfilme wiedergeben sowie kein Javascript verarbeiten kann. Damit entfallen 90% der modernen Internetseiten für diesen Fernseher oder werden falsch dargestellt. Auch die Portale von Samsung, Sony und Panasonic bieten bis auf den Browser ähnliche Funktionalität, die Geschwindigkeit lässt jedoch in allen Bereichen zu wünschen übrig.

Ein weiteres Problem der Symbiose von Wohnzimmerunterhaltung und weltweitem Netz ist die heterogene Bedienung der einzelnen Angebote. Die Hersteller der Fernseher wollen und müssen auf Tastatur und Maus verzichten um den Nutzer ansprechen zu können, die Internetseiten sind jedoch nur bedingt bedienbar ohne diese Instrumente. Bildschirmtastaturen, wie man sie aus Zeiten des SNES, noch kennt werden heute nur noch schwerlich begeisterte Nutzer finden. Der Rückgriff auf eine Nintendo-Konsole kommt aber nicht von ungefähr, eine Bedienung ähnlich der WiiMote als Ersatz für die Maus als Zeigegerät, verbunden mit einer Zahlentastatur mit T9 würde wohl für die meisten Wohnzimmersurfer vollkommen ausreichen.

Eine weitere Herausforderung für die Hersteller ist das Abspielen von Netzwerkmedien. Vor allem die Decodierung von hochauflösendem Material erfordert sehr viel Rechenleistung, viele günstige Büro-PC sind mit einer derartigen Aufgabe überfordert. Ein surrender Lüfter im Fernseher, der den HD-Audio Genuss dann doch erheblich stört, wird wohl von den wenigsten Nutzern toleriert werden. NVIDIA’s ION Plattform bietet hier die ersten Lösungsansätze. Die passive Kühlung ist trotzdem nur schwer realisierbar., eine aktive macht sich spätestens nach zwei Jahren im Wohnzimmer bemerkbar wenn die Lager der Lüfter genug Staub aufgenommen haben. Aber nicht nur HD-Material ist schwierig zu behandeln, die Vielzahl an verfügbaren Kodierungen und Dateiformaten macht es fast unmöglich alle Szenarien vorauszusehen die sich der Nutzer für das Gerät ersinnen könnte. Und genau der eine, jetzt so wunderbar zu Stimmung passende Film läuft dann wieder nicht auf dem tollen Fernseher. Spätestens dann bekommt man von seiner Gattin vorgehalten, dass man zu viel Geld für das Gerät ausgegeben habe.

Netzwerkanbindung per WLAN und LAN ist kein größeres Problem mehr, das Einlesen von USB-Medien ebenfalls nicht. Aber auch hier haben die Fernseher mit der schwachen Rechenleistung zu kämpfen, niemand will eine Diashow sehen bei der jedes Bild länger aufgebaut als angezeigt wird. Dann schlafen die Nachbarn ja noch schneller ein. Leider ist das gerade bei großen unbearbeiteten Bildern der Fall, die meisten Menschen die diese Form der Zerstörung gutnachbarlicher Beziehungen nutzen werden die Bilder aber genauso an den Fernseher übergeben. Man könnte hier einen großen Pufferspeicher dazwischenschalten, dieser würde der Hardware genügend Zeit geben die Bilder zu decodieren. Andererseits fehlt eben auch hier die Rechenleistung.

Als Fazit über den aktuellen Stand der Verbindung zwischen Netz und Heimkino lässt sich festhalten: Gute Ideen gibt es allerorten, aber entweder denken die Ingenieure immer noch nicht an den Nutzer oder die Produktmanager zwingen sie zur Veröffentlichung unfertiger Produkte um ja nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Die fehlende Rechenleistung der eingebauten Komponenten fehlt an allen Ecken und Enden, selbst die Bedienung der Kernfunktionen mit aufwendigen Menüs ist teilweise hakelig und langsam.

Für den Nutzer kann das nur eins heißen: Abwarten! Wer dafür keine Zeit hat oder experimentieren will, für den kommt eigentlich nur ein Medienzuspieler mit Netzwerkanschluss in Frage, der kostet nicht so viel und kann bei Bedarf schnell ausgetauscht werden.


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Onlinewahlkampf – so kann man es machen

Während Angela Merkel stolz ihre Erfolge in sozialen Netzwerken feiert, die bei genauerem Hinsehen nicht mal annähernd das Niveau der Kunstfigur Horst Schlaemmer erreichen zeigt die FDP wie man richtigen Online-Wahlkampf macht.

Youtube-Spot der FDP

Neben sehr amüsanten Youtube-Clips gibt es jede Woche eine nette Mail mit kleinen Ideen mit denen man selbst zum Wahlkämpfer mutieren kann:

Anbei finden Sie, wie gewohnt, 7 kleinere Wahlkampfideen für die kommende Woche:
1. Verschicken Sie den Link zum FDP-TV-Spot an 10 Freunde.
2. Spenden Sie ein Großflächenplakat mit Westerwelle über den 1-2-3 Service oder kaufen Sie sich Ihr ganz individuelles mit Ihrem eigenen Kopf und Ihrem eigenen Name über das Online-Tool des liberal Verlages.
3. Organisieren Sie eine blau-gelbe Radtour.
4. Schreiben Sie einen FDP-freundlichen Leserbrief an Ihre Zeitung.
5. Führen Sie ein Mini-Fundraising auf Ihrem Balkon durch – Kiste Bier, Kiste Politik und Kiste Geld für den Bürgerfonds.
6. Fragen Sie in Ihrem Wahlkreis oder über das MitMachZentrum nach den ersten Info-Ständen sowie nach regionalen Veranstaltungen und stellen Sie sich für ein paar Stunden zur Betreuung zur Verfügung.
7. Spendieren Sie Ihren Freunden einen Blau-gelben Drink.

Besondere Aktion:
Da sich 50% unserer Wähler erst in den letzten 3 Tagen vor der Wahl für die FDP entscheiden, unterstützen Sie die FDP in Sachsen, Thüringen, Saarland und NRW. Rufen Sie, smsen Sie oder mailen Sie 5 Freunden, Verwandten oder Bekannten in den wahlkampfführenden Bundesländern.

Dann  stolpert man schon über die nächste Aktion: Wahlkampffotos bei flickr oder mal einen Wahlkampfstand für ein paar Stunden betreuen so mobilisiert man die Webcitizen auch mal für Aktionen außerhalb des Web 2.0.

Das ganze soll trotz der nur schwer zu verbergenden Bewunderung für die Kampagne kein Wahlwerbeartikel werden, es geht hier einfach nur einmal darum zu zeigen welche Möglichkeiten man hat wenn man die Adressaten der Werbung ein wenig ernst nimmt.

Wenn man bei dieser Mediennutzung noch Netzneutralität und digitale Bürgerrechte zu seinen Kernanliegen macht dann können auch die Piraten dieses Schiff nicht mehr ins Wanken bringen. Die FDP versucht sich in allen Belangen als die neue bürgerliche Mitte zu präsentieren, leider ist das noch nicht so ganz im Programm angekommen. Es fehlen klare Aussagen zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten im Netz und vor allem zur bürgerlichen Freiheit allgemein, abseits von Steuerreform und Wirtschaftspolitik!

Das Medium ist nicht alles, auch die Botschaft sollte schlüssig sein!

UPDATE: Leider hat die Junge Union bewiesen wie man es nicht machen sollte! Wen will die JU damit überzeugen? Kindergartenkinder? Dann muss aber noch schnell das Wahlalter auf 4 gesenkt werden. Dann kann man auch Rolf Zuckowski engagieren und sich gar nicht mehr um Inhalte kümmern.

Das Video wurde mittlerweile entfernt, anscheinend sind die Reaktionen dann doch bis in die letzten vermieften Amtsträgerstuben durchgedrungen.

UPDDATE: Der Wahlfisch im Stern hat noch ein besonders gehaltloses Exemplar der Abteilung Online-Wahlkampf der CDU ausgegraben:


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