Zivilcourage contra Political Correctness

Ich habe zu wenig Zeit. Stimmt eigentlich nicht. Ich habe Urlaub. Eigentich also eine ganze Menge Zeit. Nur für den ersten Blogeintrag reichte sie bis jetzt nicht. Könnte natürlich auch an der Prioritätensetzung liegen. Ist aber eigentlich auch egal.

Fakt ist: Ich habe hier noch nichts geschrieben. Ob das gut oder schlecht ist liegt im Auge des Betrachters, unstrittig ist aber, dass das Pendel der Betätigung als Blogautor bedenklich stark in Richtung Stefan schwingt. Um diesen Trend zumindest zu stoppen (zum Ausgleichen fehlt mir – man ahnt es – die Zeit), greife ich also auf ein altbewährtes Prinzip zurück: Gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht.

Geklaut trifft es dabei nicht wirklich. Vielmehr möchte ich einer Betrachtung zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, die ich grandios finde, und deren Thema von zeitloser Bedeutung ist. Klaus von Dohnanyi greift mit seinen Gedanken zum Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäußerung und Political Correctness ein Thema auf, dass in der heutigen Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist.

»(…) Die sogenannte ›Wertegemeinschaft‹ ist im Kern eine Gemeinschaft zur Aufrechterhaltung des demokratischen Prozesses unter dem Dach der Menschenrechte; die Demokratie ein Zweckbündnis zur Einhaltung von politischen Umgangsformen; ein Regelsystem für den politischen Entscheidungsprozess, das sogar angesichts extremer Gegensätze in den Wertauffassungen einzuhalten ist.

Demokratie ist also im Kern eine rechtlich geregelte und geschützte Praxis der Toleranz. Ausnahmen gelten nur dort, wo der Andersdenkende die Regeln der Demokratie selber nicht respektiert, die garantierten Rechte auf Freiheit der Meinung, der Würde des Menschen usw. infrage stellt oder gar beseitigen will. Sonst hat immer die Freiheit Vortritt, auch – oder sogar gerade! – wo Freiheit zum Widerspruch gegen den bestehenden gesellschaftlichen Konsens in Anspruch genommen wird.

Denn jeder Fortschritt der demokratischen Gesellschaft muss im Widerspruch zum Status quo erstritten werden. Zu diesem Widerspruch bedarf es oft des Mutes oder, wie wir auch sagen, der Zivilcourage. Diese Bereitschaft zur freien, widersprechenden Meinungsäußerung muss erlernt, ihre positiven Folgen in der Gesellschaft müssen aber auch erfahren werden.

Die Bereitschaft, sich ›couragiert‹ einem großen Strom des Konsenses entgegen zu werfen, hängt allerdings auch davon ab, wie die demokratische Gesellschaft auf Widerspruch reagiert. Tut sie es mit Ausgrenzung, zum Beispiel durch die Medien, oder droht die Gesellschaft gar Nonkonformisten existenziell zu vernichten, dann wird die ›Zivilcourage‹ in der Gesellschaft erlahmen, und der freie Dialog wird verstummen. Denn Toleranz ist die Zwillingsschwester der Zivilcourage. Wo auf abweichende Meinungen oder abweichendes Verhalten mit extremer Intoleranz, mit Ausgrenzung oder gar mit Gewalt geantwortet wird, dort wird auf die Dauer die Freiheit versiegen (…).

Für Deutschlands Zukunft, für unsere Demokratie und Kultur ist heute nichts wichtiger als ein Klima offener und breiter Meinungsfreiheit. Sie ist das Fundament der Demokratie. Wir müssen uns vor einer Bedrückung durch allzu mächtige Political Correctness schützen. Gerade wegen unserer Geschichte gilt dies für uns Deutsche in besonderem Maße. Nur in offener Meinungsfreiheit, die auch extreme Abweichungen toleriert und dann im politischen Streit austrägt, erwachsen Mut und Kreativität. Denn Zivilcourage wächst und zählt nur in der Praxis.

Meinungsfreiheit lehrt demokratische Selbstbehauptung, und toleranter Streit ist das Fundament der demokratischen Gesellschaft. Das zu erinnern schulden wir auch den Frauen und Männern des deutschen Widerstands. Einen tiefen, inneren Sinn für Freiheit zu entwickeln ist für uns heute die wichtigste Lehre aus der deutschen Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Wir haben sie noch nicht beherzigt.«

- Klaus von Dohnanyi, 18. März 2003

Dem ist, wie ich finde, nichts hinzuzufügen.


Privatkredite als Lösung für die Kreditklemme?

 

Vor allem in den Ländern der dritten Welt und den Schwellenländern erfreuen sich Mikrokredite steigender Beliebtheit. Spätestens seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Mohammed Yunus im Jahre 2006 sind diese Kleinkredite auch einer breiteren Öffentlichkeit in der ersten Welt bekannt. Es handelt sich dabei um Kredite an Kleinstunternehmer mit Beträgen zwischen 50 und 1000 Dollar. Diese Kredite werden vor allem an Frauen vergeben weil sie als vertrauenswürdigere Kreditnehmer gelten und höhere Rückzahlungsraten vorweisen können. Aber auch der Jim Carrey Film “Der Ja-Sager” bezieht sich auf diese Kleinkredite, der Hauptdarsteller wird aufgrund seines Mutes derartigen Kreditanträgen zuzustimmen befördert. Die Rückzahlungsquote ist im Allgemeinen sehr hoch, weit über 95% der Kreditnehmer zahlen ihre Raten pünktlich. Gerade in Zeiten der Krise können andere Banken von derartigen Quoten nur träumen.

Altes Prinzip – neuer Name

Die kleinen Kreditbeträge werden dabei entweder von lokalen Geldgebern oder von eigens dazu eingerichteten Finanzinstituten vergeben, reguläre Banken scheuen den hohen Arbeitsaufwand im Vergleich zur erwarteten Rendite. Die Kreditnehmer sind vor allem Menschen die bei normalen Banken aufgrund fehlender Sicherheiten oder auch schlicht fehlender Bankeninfrastruktur keine Kredite bekommen können.

Die fehlenden üblichen Sicherheiten werden hier durch die Nähe zwischen Kreditgeber und –nehmer ausgeglichen sowie die Möglichkeit zur Genossenschaftsbildung. Mehrere Kreditnehmer schließen sich zusammen und bürgen wechselseitig für den Kredit.

Dieser Genossenschaftsgendanke ist jedoch nicht so neu wie es den Anschein haben mag. bereits im 19. Jahrhundert etablierte sich in deutschen Dörfern das Raiffeisen-Prinzip, Bauern und Handwerker gründeten Genossenschaftsbanken die dann Saatgut und Rohstoffe überhaupt erst beziehen konnten weil sie kreditwürdig waren. Ein ähnliches Instrument waren die von Hermann Schulze-Delitzsch gegründeten Genossenschaften und Konsumvereine.

Damit wurde vor allem in der Zeit der Industrialisierung der steigende Kapitalbedarf der Handwerker und Bauern gedeckt. Dieses Prinzip griff Yunus mit seiner Grameen Bank wieder auf und legte damit auf unterster Ebene ohne zentrale Institutionen einen Grundstein für den wirtschaftlichen Aufstieg der Schwellenländer in den letzten 30 Jahren.

Privatkredite als Form der Mikrokredite

In den letzten Jahren konnten Internet-Plattformen wie smava.de und auxmoney.de immer mehr Kunden von ihrem Geschäftsmodell überzeugen. Diese Privatkreditplattformen vermitteln Kredite zwischen privaten Geldgebern und Kreditnehmern, dabei kann es sich bei dem Kreditnehmer durchaus auch um ein Unternehmen handeln. Die Plattformen prüfen dabei die Bonität der Kreditnehmer und erheben je nachdem einen Risikoaufschlag für die Vermittlung des Kredites. smava.de bietet dabei deutlich mehr Sicherheit, die Geldgeber zahlen in einen Pool aus Krediten ein, das Ausfallrisiko wird also auf mehrere Kredite und Geldgeber verteilt, das klassische Genossenschaftsprinzip eben. Dafür sind bei auxmoney.de die erzielbaren Renditen durchaus im zweistelligen Bereich, hier ist das Risiko eines Totalausfalles jedoch dementsprechend höher, die höhere Rendite ist also ein Risikozuschlag.

Diese Privatkredite bieten die Möglichkeit schnell und unkompliziert an liquides Kapital heranzukommen, sei es für die Badrenovierung oder die Finanzierung eines Fernstudiums bzw. Promotionsvorhabens. Es werden aber auch Betriebsmittelkredite vermittelt.( Beispiel dafür beim DLF)

Den Anlegern bietet sich dagegen die Möglichkeit ihr ihr Kapital zu einem Zinssatz von mehr als 5% anzulegen, Rendite von der sie ansonsten fast nur noch träumen können. Des Weiteren können auch kleine Beiträge angelegt werden, die Kreditsumme wird nicht nur von einem Geldgeber aufgebracht.

Ein Risiko stellt hier der fehlende soziale Kontakt zwischen Geldgeber und Kreditnehmer dar, dieses Risiko muss die Plattform durch geeignete Maßnahmen minimieren. Die einzelnen Anbieter setzen dabei auf Selbstauskunft, SCHUFA-Ratings und eigene Zertifizierungen. Der Anleger muss auch hier im Einzelfall entscheiden wem er sein Vertrauen schenkt.

Fazit

Die Privatkredite können gerade in den Zeiten der Kreditklemme eine Chance sein Kapitalbeschaffung von kleinen Unternehmen und Privatpersonen zu vereinfachen. Durch die direkte Vermittlung werden auch die Kreditkosten gesenkt und die Rendite erhöht. Gleichzeitig ist das Risiko eines Ausfalles aber immer noch höher als bei einer Festgeldanlage. Die Privatkredite könnten jedoch auf einer niedrigen Ebene das Bankensystem wirksam ergänzen und Kapitalanlage und Beschaffung um eine Möglichkeit bereichern.


Getaggt mit:
 

Sinkende Wahlbeteiligungen, Politikverdrossenheit und fehlendes Vertrauen in Wahl-programme und Personen zeigen gerade im Superwahljahr 2009die fundamentalen Probleme der deutschen Demokratie auf. Eines dieser fundamentalen Probleme ist die steigende Korruption und mangelnde Transparenz in politischen Entscheidungsprozessen.

Während es in den USA eine Webseite gibt auf der man Zuwendungen zu einzelnen Kandidaten und Kampagnen verfolgen kann ( www.followthemoney.org) erfreut sich www.abgeordnetenwatch.de zwar größerer Beliebtheit beim potenziellen Wähler, nur nicht unbedingt bei den Adressaten der der dort gestellten Fragen. Zum einen werden die Fragen ignoriert und mit rhetorischen Nebelkerzen beantwortet, zum anderen der Fragesteller arrogant und zum Teil beleidigend abgekanzelt. (Hans Peter Uhl im Zitat auf heise-Online).

Viele fühlen sich nicht mehr wahrgenommen

 

Doch in den Online und Printmedien ( stern.de) wird nur die Spitze des Eisberges sichtbar, der Abgrund der sich zwischen “oben” und “unten” aufgetan hat wird sichtbar wenn man Menschen in seiner Umgebung fragt welche politische Meinung sie vertreten und wie sie sich repräsentiert fühlen. Dieser Abgrund ist nicht nur mehr Rauschen im Blätterwald sondern real spürbar, das kein Politiker ihn thematisiert zeigt nur wieder deutlich wie sehr sie sich von der Basis entfremdet haben.

Wenn Online-Petitionen mit 134.000 Mitzeichnern nur müde belächelt werden und am Ende keine Wirkung zeigen, wenn in den Parlamenten Fraktionszwang herrscht und bei wichtigen Entscheidungen noch 30% der Parlamentarier anwesend sein dann kann die “ repräsentative Demokratie nicht mehr funktionieren, schließlich repräsentieren die wenigen Anwesenden bei weitem nicht die Mehrheit des Volkes. Und selbst wenn sie anwesend sind werden sie durch den Fraktionszwang zu einer Entscheidung gezwungen, sie repräsentieren niemanden mehr. Wenn sowieso alle gleich abstimmen müssen dann reicht es ja auch wenn sich die Fraktionsvorsitzenden in einer lockeren Runde bei Kaffee und Wasser treffen und dann die Abstimmung durch führen. Dann können wir auch Wahlen weglassen genauso wie den teuren Wahlkampf. Wir wählen einfach nach dem Kooptationsprinzip aller zehn Jahre zwei neue Mitglieder in dieses Gremium und lassen die dann entscheiden was für das deutsche Volk am besten sei. So könnte man die aktuelle Stimmung wohl zusammenfassen.

Transparenz als Ausweg aus der Entfremdung

 

Ohne nun gleich das gesamte politische System umkrempeln zu wollen würde ein wenig mehr Transparenz in politischen Entscheidungsprozessen wohl diese Entfremdung ein wenig abmildern können. Transparenz bedeutet die Offenlegung aller Nebentätigkeiten von Abgeordneten, die Spendenlisten der Parteien, Abschaffung des Fraktionszwangs, Abschaffung des negativen Stimmgewichts und eine effektive Bekämpfung von Korruption!

Der letzte Punkt ist meist der wichtigste der im Zusammenhang mit den Forderungen nach mehr Transparenz fällt und er hat auf den ersten Blick wenig mit der Demokratie an sich zu tun. Die Bekämpfung der Korruption hat eine grundsätzliche Wirkung auf die Demokratie. Wo Korruption herrscht werden Entscheidungsprozesse durch monetäre oder auch durch Machteingriffe behindert oder beeinflusst. Damit werden grundlegende demokratische Prinzipien ausgehebelt, der einzelne der die Korruption zu spüren bekommt verliert das Vertrauen in die Wirksamkeit derartiger Entscheidungsprozesse.

Transparenz auf allen politischen Ebenen erhöht Verständnis der Bürger für bestimmte Entscheidungen und damit automatisch auch die Akzeptanz, kein Wähler möchte behandelt werden wie ein kleines Kind. Das wird er allerding so lange in Koalitionssitzungen und Kabinettsrunden Entscheidungen getroffen werden die das Parlament dann nur abnickt, am besten dann unter Verwendung des bereits erwähnten Fraktionszwangs.

Subsidiarität als Chance für mehr Transparenz

 

Mehr Transparenz könnte auch hergestellt werden indem man Subsidiarität als oberstes Prinzip verantwortungsvoller Ordnungspolitik ansieht. Entgegen den zentralistischen Tendenzen der letzten Jahre würde eine Verlagerung der Kompetenzen in vielen Politikbereichen zu mehr Transparenz und weniger Parteilichkeit führen. Entscheidungen würden aufgrund der Nähe der Entscheider zu den Betroffenen in vielen Fällen leichter nachvollziehbar werden und auch der Lebenswirklichkeit des einzelnen mehr entsprechen. Menschen die beteiligt werden fühlen sich wertgeschätzt und in ihrer Person bestätigt, je mehr man beteiligt desto breiter ist die demokratische Basis einer Gesellschaft. Diese Basis ist das schärfste Schwert im Kampf gegen Wirtschaftskrise, Extremismus und Terrorismus.


Getaggt mit:
 

Performance Optimization WordPress Plugins by W3 EDGE

Switch to our mobile site