"Ein neues und faires Steuersystem ist für die FDP Koalitionsbedingung. "(Saarbrücker Erklärung) Diese Aussage verursachte viel Gegenwind in politischen Blätterwald, vor allem der Wunschkoalitionspartner CDU erteilte den Steuersenkungsplänen schnell eine Absage.

Sind denn nun Steuersenkungen möglich, finanzierbar und auch ordnungspolitisch sinnvoll. Diese Frag kann man mit einem klaren JA! beantworten. Das aktuelle Steuersystem bevorteilt die Empfänger hoher und auch niedriger Einkommen massiv, die vielbeschworenen Leistungsträger der Gesellschaft, die mittleren Einkommen müssen dieses Missverhältnis dann natürlich ausgleichen. Das aktuelle Steuersystem behindert soziale Mobilität und verschärft den Gegensatz zwischen hohen und niedrigen Einkommen.

Die kalte Progression bestraft ab einer bestimmten Einkommenshöhe jede Steigerung des Einkommens mit einem höheren Steuersatz, eine Einkommenserhöhung lohnt sich also erst ab einer bestimmten Höhe. Damit wird jede anreizorientierte Entlohnung konterkariert, die meisten Unternehmen können sich derartige Lohnsteigerungen kaum leisten, vor allem weil die Sozialabgaben diese noch zusätzlich verteuern. Moderate Lohnsteigerungen werden somit verhindert und zementieren die soziale Stellung des einzelnen innerhalb der Gesellschaft.

Werden dann noch bestimmte Einkommensgrenzen überschritten hat man plötzlich weniger Geld für mehr Arbeit, wenn alle Zuschüsse für Kindergarten, Wohnen usw. wegfallen dann lohnt es sich doch eher geringfügig beschäftigt zu sein und den Rest als Zuschuss zu erhalten als selbst dafür aufzukommen.

Auf der anderen Seite sind Menschen mit hohem Einkommen entsprechend steuerlich bevorteilt, sie können durch die steuerlich geförderte Inanspruchnahme von Dienstleistungen, Investitionen und Abschreibungsmöglichkeiten ihre Steuerlast massiv senken. Dies sollte jedoch nicht als “Hetze gegen die Reichen” verstanden werden. Das System ermöglicht ihnen diese Handlungsweise, sie ist vollkommen legal und dem Deckmantel der Wirtschaftsförderung.

Am Ende bleibt der Mittelstand übrig, Menschen mit höherer Bildung, stabilen Einkommen und vor Allem mittlerweile allein lebend und kinderlos. Diese Personengruppe stellt mittlerweile den Großteil des mittleren und unteren Managements in Unternehmen. Diese können weder die Fördermöglichkeiten der unteren Einkommen nutzen noch die Abschreibungsmöglichkeiten der hohen Einkommen. Sie bezahlen die Umverteilung welche angeblich zu sozialer Gerechtigkeit führt aber eigentlich nur die Sozialstruktur auf dem heutigen Stand festschreibt.

Wie kann man dieses Spannungsfeld nun sinnvoll auflösen.  Ein Steuersystem mit gestaffelter Progression und ohne Abschreibungsmöglichkeiten würde den Mittelstandsbauch sofort abschneiden und gleichzeitig in der langen Frist zu höheren Staatseinnahmen führen. Ein solches System würde praktisch folgendermaßen aussehen:

Bruttoeinkommen/JahrEinkommensteuersatz
bis 15.000 €15%
15.001 € bis 25.000 €25%
25.000 +35%

 

Zur Erklärung: der höhere Steuersatz wird erst für den ersten Euro in der neuen Höhe wirksam, darunter gilt der alte Steuersatz. Der Freibetrag von 8.000 € wurde hier nicht berücksichtigt, realistisch gilt also der niedrigste Steuersatz bis 23.000€ Bruttoeinkommen für einen alleinstehenden kinderlosen Steuerpflichtigen.

Daraus ergibt sich folgender Vorteil: Jede Einkommenserhöhung wird automatisch und direkt sichtbar und schlägt sich bei Überschreiten von Einkommensgrenzen nicht direkt auf das Gesamteinkommen nieder. Gleichzeitig sinkt der VErwaltungsaufwand beträchtlich, die Steuererklärung auf dem Bierdeckel wird fast schon Realität. Wenn man jetzt noch den Lohnsteuerjahresausgleich begrenzt oder sogar ganz abschafft dann sind wir bei einem gerechten und transparenten Steuersystem!

Warum ist das ordnungspolitisch so entscheidend? Damit werden alle Menschen gleichermaßen in die Verantwortung genommen das Gemeinwesen zu finanzieren, und wer finanziert möchte auch entscheiden! Damit könnte ein gesamtgesellschaftlicher Erneuerungsprozess in Gang kommen an dessen Ende vor allem eins steht: Mehr Miteinander!


Getaggt mit:
 

Deutschland streitet über die Semantik – darf man den Krieg in Afghanistans Norden als solchen bezeichnen oder ist es nur bewaffnete Aufbauhilfe bzw.. Stabilisierung?

Die Gegner des Kriegsbegriffs argumentieren vor allem mit der deutschen Geschichte. Der Nationalsozialismus hat soviel Krieg und Leid über die Welt gebracht, nie wieder dürfe Deutschland deshalb wieder Krieg führen geschweige denn darüber offen sprechen. Aber resultiert nicht genau aus dieser Geschichte die besondere deutsche Verantwortung Recht und Freiheit nicht nur des deutschen Volkes zu sichern sondern aller Völker?

Ist Krieg als Form staatlich organisierter Gewaltausübung außerhalb der eigenen Grenzen nicht ein legitimes Mittel um Menschen den Zugang zu Bildung, Wohlstand und vor allem Gleichberechtigung zu ermöglichen? Das Argument der Selbstbestimmung kann man hier nur schwerlich gelten lassen, welches afghanische Volk soll denn selbst bestimmen? Das Volk der Taliban, die wenigen irgendwie organisierten demokratischen Kräfte oder vielleicht doch wie in alten Zeiten die Stammesfürsten?

Jede Forderung nach einem schnellem Abzug aus Afghanistan mit den Hinweis auf eine mögliche Bedrohung Deutschlands widerlegt sich selbst, denn diese Bedrohung würde nicht existieren ohne den Terrorismus der in Afghanistan, Pakistan und vielen Ländern Afrikas seine Rückzugsgebiete findet. Dieser Terrorismus bedroht auch die Menschen in Afghanistan, allen voran Frauen und Kinder die nicht nach den Regeln der Fundamentalisten leben. Man stelle sich vor eine derartige Gewaltandrohung würden fundamentalistische Christen in Deutschland gegenüber Nicht-Gläubigen ausüben.

Wer also von einem Krieg im Norden Afghanistans spricht und eben erwähnte staatliche Gewaltausübung damit meint bekennt sich klar zur deutschen Verantwortung gegenüber allen Menschen und zieht sich nicht auf die egoistische Position der Eigenverantwortung des afghanischen Volkes zurück. 

Natürlich darf aus dieser Aussage keine Anerkennung der Taliban als Kombattanten resultieren. Der Begriff des Kombattanten im völkerrechtlichen Sinn ist jedoch auf die Taliban so nicht anwendbar, er stammt aus der Blütezeit der Nationalstaaten Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Blütezeit ist mehr ist mehr als offensichtlich vorbei, es fehlen jedoch neue völkerrechtliche Konzepte um der neuen Situation auch rechtlich begegnen zu können. Piraten, Terroristen und Drogenbarone werden überall auf der Welt auch mit militärischen Mitteln bekämpft,  nur weil ein Krieg heute nicht mehr aussieht wie die Schlacht im Kursker Bogen heißt das noch lange nicht das er nicht genauso tödlich ist. 


Getaggt mit:
 

Die Fremden im Parlament

 

Streift man in diesen Tagen durch die politischen Publikationen, Blogs, Tages- und Wochenzeitungen befällt einen immer mehr das Gefühl, dass dort in Berlin niemand mehr sitzt der in irgendeiner Weise Kontakt zur Realität hat. Auch wenn das publizierte Bild immer nur ein negatives Zerrbild der Realität sein wird, so richtig beruhigen kann dieser Gedanke auch nicht.

Weder werden Zensurinfrastrukturen verhindert noch macht sich jemand noch ernsthaft Gedanken darüber wer die ganzen Staatshilfen eigentlich mal bezahlen soll. Ganz abgesehen davon was passiert wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät weil ein Konkurrent Staatshilfen erhalten hat.  Die Mahnungen Einzelner ( “Eine Insolvenz ist eine realistische Option”) oder auch tausender Menschen ( E-Petition) werden entweder als unverantwortlich bezeichnet oder einfach ignoriert. Gleichzeitig beschweren sich gerade kurz vor der Wahl alle “Volksvertreter” unisono wieder einmal darüber das die Menschen das Interesse an der Politik verloren haben.

Wen wundert das, angesichts der Tatsache das die Menschen die etwas bewegen wollen ignoriert werden? ( Gespräche mit der Familienministerin verlaufen ergebnislos) Wen wundert das wenn auf abgeordnetenwatch.de mehr Fragen unbeantwortet bleiben als beantwortet werden und wenn sie beantwortet werden die Antworten nicht den Kern der Frage treffen? Wen wundert das wenn ich Afghanistan offensichtlich Krieg herrscht und trotzdem alle diese Vokabel vermeiden? Wen wundert das wenn trotz steigender Schulden und Lasten aus den Konjunkturprogrammen Steuersenkungen versprochen werden?

Niemanden sollte dies noch verwundern, denn zusätzlich zu den hier genannten Beispielen gesellen sich zahllose kleine und große Inkonsistenzen im Bild von Politikern Abgeordneten und solchen die es werden wollen.

Die meisten Politiker laufen in ihre eigene Argumentationsfalle. Sie suggerieren dem Bürger, dass sie “nur sein Bestes wollten”. Diese Präventionslogik schließt aber automatisch jede Beteiligung des Bürgers an politischen Willensbildungsprozessen aus. Jemand der immer gesagt bekommt das dass was andere für ihn tun schon am Besten für ihn sei denkt nicht mehr mit und handelt auch nicht mehr. Daraus ergibt sich ein immer größerer Regelungsbedarf für die Politik, ein Paradies für all die “Kümmerer” und gleichzeitig ein Paradies für alle Faulen. Schließlich kann man damit jede Verantwortung für das eigene Handeln an eine höhere Instanz abgeben . Diese Wechselwirkung ist jedoch der Tod der Demokratie den per definitionem ist das Volk der Souverän und was nützt ein Souverän der sich um nichts mehr kümmert?

Er wird schnell ersetzt werden durch einen neuen Souverän, in diesem Fall diejenigen die konkrete Vorteile aus ihrem Engagement ziehen, die Lobbyisten, große Firmen und so weiter. Dabei geht es nicht um die üblichen Rundumschläge gegen kommerzielle Interessenvertretungen und “graue Eminenzen”, es geht vor allem darum das sich politisches Engagement wieder lohnen muss für den Einzelnen. Das sein Engagement wieder sichtbar und wirksam wird. Denn nur dann kann Politik für Menschen durch Menschen gemacht werden.

Dafür ist es entscheidend Subsidiarität und Föderalismus konsequent zu Ende zu denken. Der Bund und die Länder sowie die EU müssen ihre Kompetenzen einschränken, Regelungen im größeren Kontext allgemeiner fassen und Spielraum lassen für nationale und lokale Anpassungen. Den Kommunen muss ein größerer Anteil aus den Steuereinahmen als bisher zugestanden werden um ihnen Gestaltungsspielräume zu geben und Verschwendung durch falsche Allokation sowie Verwaltungsaufwand zu bekämpfen. Dann können auch kommunale Gremien in kleinen und mittleren Gemeinden wieder substantielle Entscheidungen treffen und damit an Attraktivität für politisches Engagement gewinnen. Damit könnte man die Entfremdung zwischen Volk und Politik bekämpfen. Der Kommunalpolitiker ist viel stärker von den praktischen Erfordernissen vor Ort beeinflusst als der Bundespolitiker und wird deshalb auch Entscheidungen im Sinne der Menschen treffen. Dazu muss man nur Vertrauen in die Kompetenz anderer Menschen haben und nicht dem verlockenden Gedanken erliegen das man selbst immer noch der beste Mann/die beste Frau für jeden Job sei.

Die Aufgabe ist somit klar: Freiheit wagen und Vertrauen haben dann rücken auch die Parlamente wieder näher an die Menschen heran.


Getaggt mit:
 

Performance Optimization WordPress Plugins by W3 EDGE

Switch to our mobile site